Archive for the ‘Literatur & Rezension’ Category

Grundlagen der einfachen Rettung

Mittwoch, Juni 21st, 2017

Rezension von Wolfgang Werfts Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen

Buchcover "Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen"Wer an die Feuerwehr denkt, zählt als meist die Brandbekämpfung zu deren Hauptaufgabe. Die Statistik spricht da allerdings eine andere Sprache: Technische Hilfeleistung im weitesten Sinne, die Rettung von Menschen und Tieren aus verschiedenen Notsituationen, ist die Hauptaufgabe der Feuerwehren. Besonders kompliziert sind dabei die wenigsten dieser Einsätze und können ohne die Anforderung von Spezialeinheiten und – fahrzeugen bewältigt werden. Wolfgang Werft erklärt in seinem Buch „Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen“ aus der Reihe Fachwissen Feuerwehr, das in zweiter, vollständig überarbeiteter und aktualisierter Auflage erschienen ist, wie mit den gängigsten Werkezeugen und Hilfsmitteln eines Feuerwehrfahrzeuges Rettungen aus Gebäuden, Baugruben, Silos oder aus Schächten möglich sind, ohne Spezialeinheiten anfordern zu müssen.

(weiterlesen…)

Nicht mehr jede Feuerwehr wird alles leisten können

Dienstag, März 21st, 2017

Rezension von Cimolino et al. Brandbekämpfung in besonderen Lagen

„(N)icht (mehr) jede Feuerwehr (wird) alles machen oder leisten können“ (S. 9), schreiben die Autoren zu Beginn der SER. Keineswegs wollen die Autoren damit die Legitimität einiger Feuerwehren infrage stellen, sondern sie zeigen, dass es „besondere Lagen“ gibt, die spezielle Taktiken und vor allem spezialisierte Geräte benötigen, um deren Herr zu werden. Besondere Lagen operationalisieren Cimolino et al. hinsichtlich des schwierigen Zugangs zum Brandherd, der Brandbekämpfungsdauer im Verhältnis zur Brandgröße und der örtlich nicht begrenzten Wahrscheinlichkeit des Auftretens.

Verschiedene Brandbekämpfungsmethoden und –techniken stellen die Autoren mit ihren Vor- und Nachteilen vor. Dabei leiten sie schnell über zu spezialisierten, über den Alltag hinausgehende Methoden, und hier insbesondere dem COBRA-System, welches in Deutschland eher als Schneid- denn als Löschsystem angesehen wird, gleichzeitig ist aber diese Doppelfunktion für die Brandbekämpfung von enormem Vorteil.

(weiterlesen…)

Kein Rohr wie jedes andere

Freitag, Februar 17th, 2017

Rezension von de Vries‘ Einsatz von D-Leitungen

Buchcover Holger de Vries: Einsatz von D-Leitungen. Ausbildung und Praxis. Aus der Reihe: Fachwissen Feuerwehr. Landsberg am Lech: ecomed Sicherheit 2016, 120 Seiten, Softcover, ISBN 978-3-609-69807-6, 12,99.-

Fast mag der geneigte Fachleser irritiert fragen, wie es möglich (und ob es sinnvoll) ist, über das D-Rohr weit über hundert Seiten zu schreiben, doch schon im Vorwort stellt de Vries klar, dass das D-Rohr in den deutschen Feuerwehren stark unterschätzt wird und sich sein Nutzen erst langsam in der Praxis zu zeigen beginnt – ganz im Gegensatz zu anderen Ländern (und der deutschen Vergangenheit). Ausgehend von fehlender Ausbildungsliteratur über das D-Rohr will de Vries eine Lücke schließen und bietet mit dem Buch „Einsatz von D-Leitungen. Ausbildung und Praxis“ aus der Reihe Fachwissen Feuerwehr eine Abhandlung „in ingenieurswissenschaftlicher Qualität“ (S. 5) an.

(weiterlesen…)

Ohne Strom - Rückfall in die Barbarei

Mittwoch, September 14th, 2016

Rezension von Matthew Mathers Cyberstorm

Mike Mitchell ist ein durchschnittlicher New Yorker, der mit seiner Frau und seinem Sohn in einem Apartmenthaus in Manhattan wohnt, der das Leben relativ gelassen sieht und wenig besorgt über mögliche Katastrophen scheint. Ganz im Gegensatz dazu hortet Mikes Nachbar Chuck Lebensmittel, Trinkwasser und allerlei technische Apparate, die ihm im Falle eines Unglücks sein Überleben sichern sollen. Mike belächelt die Anstrengungen, muss jedoch bald erkennen, dass sein Nachbar nicht ganz unrecht hat. Kurz vor Weihnachten fällt der Strom aus. Kein Strom bedeutet, keine Heizung, kein warmes Essen, kein fließendes Wasser und eine nach und nach zusammenbrechende, öffentliche Versorgung. Noch dazu bricht ein Schneesturm über New York herein. Es gelingt über Wochen hinweg nicht, die Stromversorgung wiederherzustellen, und das, während die Temperatur fällt und der Kontakt nach außen weitgehend abgebrochen ist. Die Katastrophe ist perfekt.

(weiterlesen…)

Aus dem Archiv: Öl - Die Lebensader der Zivilisation

Dienstag, August 16th, 2016

Rezension von R. Scott Reiss‘ Black Monday

„Black Monday“ von R. Scott Reiss beschreibt ein Szenario, in dem plötzlich alle Erdölvorkommen durch eine Mikrobe unbrauchbar werden. Zeigte Peter Schwindt in „Schwarzfall“ die Abhängigkeit von der Verfügbarkeit von Strom, so zeigt Reiss, dass das Vorhandensein von Strom, bei gleichzeitigem Fehlen von Treibstoff in einer modernen Gesellschaft fatale Auswirkungen hat.

(weiterlesen…)

Aus dem Archiv: Schwarzfall - Was ist die Zivilisation ohne Strom

Dienstag, August 2nd, 2016

Rezension von Peter Schwindts Schwarzfall

Es ist ein beklemmendes, gleichzeitig auch ein aktuelles Szenario, dass Peter Schwindt in seinem Thriller „Schwarzfall“* entwirft.

Seit drei Monaten hat es nicht mehr geregnet. Die Temperatur sinkt kaum unter dreißig Grad. Die Pegel der Flüsse sinken und die Temperatur der Gewässer steigt. Wasser, das die Kraftwerke zum Kühlen benötigen. Immer weniger und wärmeres Wasser steht einem gestiegenen Strombedarf gegenüber. Dieser resultiert u.a. aus der Verbreitung von Klimaanlagen. Immer mehr Klimaanlagen brauchen immer mehr Strom. Noch dazu fallen Überlandleitungen wegen Waldbränden aus. Die Last verteilen die Stromerzeuger auf die verbliebenen Leitungen. Fällt ein Kraftwerk aus, müssen andere Kraftwerke die gestiegene Last aufnehmen. Irgendwann gehen mitten in der Nacht die Lichter aus – und sie bleiben aus. Nun zeigt sich, dass die Zivilisation, wie wir sie kennen, ohne Strom (fast) nicht mehr existent ist. Fahrstühle, Telekommunikation, Eisenbahnen, Abgaslüftungen in Tiefgaragen, Geldautomaten, Wasser- und Abwasserpumpen, … alle diese selbstverständlichen Dinge funktionieren nicht mehr und führen im Besten Fall zur Einschränkung der Lebensqualität, im Schlechtesten zu Verletzten und Toten.

(weiterlesen…)

Aus dem Archiv: Von Ameisen und Vulkanen

Montag, Juli 11th, 2016

Rezension von Ulrich C. Schreibers Die Flucht der Ameisen

Wissenschaftsromane erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Erfolg von Frank Schätzings Science-Fiction Thriller „Der Schwarm“ machte das deutlich. Etwa zeitgleich zu „Der Schwarm“ entstand das Buch „Die Flucht der Ameisen“ von Ulrich C. Schreiber. Schreiber beschreibt in seinem Roman ein Szenario, das so weit nicht hergeholt ist, nämlich ein Vulkanausbruch in der Eifel. Auch aus Sicht des Katastrophenschutzes ist das Buch durchaus interessant.

Durch Zufall stößt der Geologe Gerhard Böhm bei Untersuchungen im Westerwald und der Eifel auf geologische Strukturen, die auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch hindeuten. Vulkanismus ist in dieser Region nichts ungewöhnliches, denn der letzte Ausbruch liegt gerade einmal 12.000 Jahre zurück. Er beobachtet außerdem, wie sich Ameisenhügel entlang bestimmter Verwerfungslinien häufen. Er will das Phänomen untersuchen, sein Antrag auf Forschungsförderung wird dann jedoch abgelehnt. Es kommt, wie es kommen musste:

(weiterlesen…)

Florian bitte kommen

Montag, Juni 13th, 2016

Rezension von Demel/Strotts Sprechfunkerausbildung gemäß FwDV 2

Cover des Buchs SprechfunkerausbildungKater, Blitz, DMO, FuG – wer sich als ehrenamtliche Einsatzkraft fragt, was diese Worte und Abkürzungen bedeuten, sollte weiterlesen, denn früher oder später halten alle den Hörer in der Hand und müssen funken. Der BOS-Funk ist stark formalisiert und reglementiert, erhält mit dem eingeführten Digitalfunk eine – vom Verständnis her zunächst – komplexe Neuausrichtung, die dazu führt, dass sich auch altgediente Einsatzkräfte wieder mit dem Funken auseinandersetzen müssen. Das „Buch Sprechfunkerausbildung gemäß FwDV 2“ von Jan Tino Demel und Matthias Strott aus der Reihe Fachwissen Feuerwehr, will hier Einsteigern und langjährigen Praktikern Hilfestellung geben.

(weiterlesen…)

In dieser Welt gibt es keinen Platz mehr für die Menschen

Dienstag, April 12th, 2016

metro_sonne

Rezension von Sergej Moskwins In die Sonne

Ein Stromausfall legt die Nowosibirsker U-Bahnstation Roschtscha lahm und droht das Überleben der Stationsbewohner zu gefährden. Der für die Sicherheit verantwortliche Oberst Kassarin bricht mit einem Expeditionstrupp zur Nachbarstation Marschalskaja auf, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Sie stoßen dort auf einen übermächtigen Gegner und flüchten zurück. Sergei, Kassarins Sohn, verbleibt als Wache mit seinem Kumpel Dron an der Heimatstation. Was zunächst nach Routine aussieht, entwickelt sich zu einer Verbrecherjagd, denn den Stromausfall nutzend, schlägt die Diebin Polina zu. Sergei kann die junge Frau aufhalten und festnehmen, empfindet aber Gefühle für Polina und kann in letzter Sekunde ihre Hinrichtung verhindern, indem er vorschlägt, mit ihr das Stationsbuch der Marschalskaja zu holen, von dem sich Vater Kassarin Informationen über die dortigen Vorfälle erhofft. Den beiden Jugendlichen gelingt es in die Station vorzudringen, außer Knochen finden sie dort keinerlei Lebewesen mehr vor, und abgesehen von einer seltsamen Zeichnung auch kein Stationsbuch. Auf dem Rückweg werden die beiden Zeuge eines Angriffs auf die Roschtscha durch ein seltsames, schwarzes Wesen mit Fangarmen, dem Patronen nichts anhaben können. Polina und Sergei fliehen, während die schwarze Wolke alles Leben an der Station verschlingt. Sergei will die anderen Stationen der Allianz warnen.

(weiterlesen…)

Gewalt gegen Rettungskräfte als Volkssport

Montag, März 14th, 2016

Rezension von Michael Steils Gib der Gewalt keine Chance

steil_gewalt

„Rettungskräfte tätlich angegriffen“, „Feuerwehr mit Böllern beschossen“, „Feuerwehr mit Steinen beworfen“, … Es sind Schlagzeilen wie diese, die zeigen, dass sich Gewalt längst nicht mehr nur noch gegen Sicherheits- und Ordnungskräfte, sondern gezielt und mutwillig auch gegen (ehrenamtliche) Helfer wendet – und das nicht nur zu Silvester.

Feuerwehrleute erfahren zwar eine breite Ausbildung zur Bekämpfung der Auswirkungen von Bränden und Naturgewalten, zur Rettung von Menschen aus unterschiedlichsten Notsituationen, aber in Bezug auf Gewalt, egal ob verbal oder physisch, gegen sich selbst und Kameraden, gibt es keine Vorbereitung, und das, obwohl die Gefahrenmatrix mit dem Aspekt „Angstreaktion“ durchaus einen Anknüpfungspunkt für die Ausbildung bietet.

Michael Steil will mit seinem Buch „Gib der Gewalt keine Chance“ einen Beitrag zur Steigerung der Handlungskompetenz in Sachen Deeskalation und Möglichkeiten der Prävention und Reaktion bieten.

(weiterlesen…)