Archive for the ‘Geschichte’ Category

“Verschon mein Haus, Zünd andre an!”

Montag, Mai 4th, 2015

Weingarten (Württemberg), Feuerwehr mit Wandgemälde "St. Florian" Fotograf: Andreas Praefcke (C 3.0) / Quelle: Wikimedia Commons Wie am Feuerwehrgerätehaus in Weingarten (Württemberg), zeigen viele Feuerwehrhäuser ein Abbild von “St. Florian”. Fotograf: Andreas Praefcke (CC 3.0) / Quelle: Wikimedia Commons.

Beim Funken rufen wir ihn an und bitten symbolisch um seinen Beistand. Die Rede ist von dem heiligen St. Florian. Im Feuerwehrwesen begegnen wir ihm darüber hinaus ebenso als Plastik, als Gemälde oder als Wandmalerei auf unzähligen Feuerwehrhäusern. St. Florian wird meist dargestellt als römischer Legionär mit Fahne, Wasserschaff und mit einem Mühlstein um den Hals. Aber was hat St. Florian mit dem Feuerlöschen zu tun? Weshalb ist St. Florian der Schutzpatron der Feuerwehrleute? Ein (längerer) Erklärungsversuch, anlässlich des heutigen Namenstages von Florian.*

(weiterlesen…)

Da war mal was: Vergessene Fast-Reportagen (2)

Freitag, Dezember 12th, 2014

Heute: Veterinärzug Freiburg

Dieser Tage wurde ich wieder einmal schmerzlich und wehmütig an meine anspruchsvollen Reportage-/Artikel-Pläne aus FWNetz-Zeiten erinnert. Gleichzeitig hallte dazu die Bemerkung eines Kameraden im Hinterkopf, „Du mit deiner Fragmentsammlung die du wahrscheinlich noch deinem Kind/deinen Kindern vererben wirst…“. Aber der Reihe nach. Vor einigen Jahren kündigte ich in meinem Blog eine Reportage über den Veterinärzug aus Freiburg im Breisgau an, nachdem ich eben jene Regieeinheit aus „alten Zivilschutz-Zeiten“ besucht hatte.

(weiterlesen…)

Die Feuerwehr mit dem Stern

Donnerstag, Juli 4th, 2013

Neu im Bücherregal Martin Wessels Die Einsatzfahrzeuge der Stuttgarter Feuerwehr

einsatzfahrzeuge_bfsMit „Die Einsatzfahrzeuge der Stuttgarter Feuerwehr“ legt Martin Wessels ein Stück persönliche Geschichte bei der Berufsfeuerwehr Stuttgart vor, denn sein Bildband umfasst Kraftfahrzeuge, die zu Beginn der 1990er Jahre noch in Dienst waren oder später ihren Dienst aufnahmen. Damit entspricht dieser Zeitraum ziemlich genau dem Verlauf seiner Anstellung bei der Stuttgarter Feuerwehr.

Der Wandel einer Großstadtfeuerwehr

Kompetent und kenntnisreich zeigt Wessels den Wandel des Fuhrparks, und das in mehrfacher Hinsicht. Bestand der Fuhrpark zunächst fast ausschließlich aus Fahrzeugen mit dem Stern – abgesehen von Bund-Fahrzeugen und einigen Opel-PKW, sind seit wenigen Jahren, bedingt durch das europäische Vergaberecht, auch andere Chassistypen vertreten. Auch optisch ist der Wandel von Feuerrot (mit und ohne weiße Flächenmarkierungen), zu Tagesleuchtrot hin zu (Tagesleucht-)Rot mit gelben Flächenmarkierungen zu sehen. Ebenfalls ist die Vereinheitlichung der Fahrzeuge bei der Berufsfeuerwehr Gegenstand des Buches. Schließlich zieht sich das Thema Personaleinsparungen bei der Berufsfeuerwehr durch den Bildband. Gekonnt stellt er diesen Aspekt mit der Anpassung des Fahrzeugparks und der dahinterstehenden Taktik dar.

(weiterlesen…)

Motoren der Feuerwehren

Mittwoch, März 20th, 2013

Buchbesprechung von Manfred Gihls Im Dienste der Feuerwehr: Gottlieb Daimler, Carl Benz und Ferdinand Porsche

im_dienste_der_feuerwehr_gottlieb_daimler_carl_benz_und_ferdinand_porsche_978-3-95400-133-0

Manfred Gihl schreibt in seinem Vorwort, dass sein Buch, trotz vieler Fotos, kein Bilderbuch sein will, denn „im Vordergrund der Betrachtung stehen die Begleitumstände der Automobilisierung der Feuerwehren und ihre Wegbereiter“ (S. 8). Zu Recht konzentriert er sich hierbei auf Benz, Daimler, Porsche und Maybach, denn sie standen mit ihren Leistungen am Beginn der Motorisierung und prägten nachfolgende Konstrukteure und Unternehmen. Gihl stellt die Biografien der Männer (und ebenso der Geschäftspartner) den Kapiteln über die technischen Errungenschaften voran und erreicht damit eine engere Verzahnung von Leben und Werk. Daneben zeigt er, dass die Lebensläufe durchaus Brüche aufweisen, anders als in so mancher offiziellen Geschichtsschreibung zu lesen ist.

(weiterlesen…)

‚Don’t mix up Baden and Schwaben’

Donnerstag, Mai 24th, 2012

This advice may save your life

If you’re visiting Germany especially the south-western part, Baden-Wurttemberg, then you should know something about the people who live in the Land of Baden.

(weiterlesen…)

Nationalism and fire brigade are connected by the Turner

Mittwoch, April 4th, 2012

Talking about German nationalism and the origins of the German stat is to think about the Turner movement (Turner = gymnast). Additionally this is valid for the origins of the ‘Freiwillige Feuerwehr’.

The father of the Turner

The gymnast movement was part of the emerging idea of a German national state. It’s important to know that there was never one big German state in the past. At the beginning of the 19th century there were dozens or hundreds of German states. Most of them were very small. The revolution of 1789 in France spread ideas like liberty, equality and fraternity throughout Europe. Once seeded the ideas established themselves in peoples’ minds.

After Napoleon had defeated the German states, the people were unhappy to be ruled by him. Most people in ‘Germany’ assumed that there would be war against France, but they didn’t take measures to prepare, except for Friedrich Ludwig Jahn, called ‘Turnvater’ (gymnast father).

(weiterlesen…)

Inventor, founder, fire fighter: A small biography about Magirus

Donnerstag, März 8th, 2012

To understand my excitement with the book review below, I must reach back to my writings in the recent past.

Looking for a story

In march 2009 I travelled home from ‘Retro Classics vintage car exhibition’ in Stuttgart. During the trip and by the following days I was contemplating how to commit the special exhibition about Magirus fire trucks to paper. My plan has been to avoid a technology driven focus. I didn’t want to summarize and to list all of Magirus’ inventions as is done by most writers.

(weiterlesen…)

25 Jahre Großbrand von Schweizerhalle

Samstag, November 5th, 2011

Es ist eine der wenigen Ereignisse aus meiner Kindheit, die sich in mein Hirn gebrannt haben und an die ich mich immer noch recht gut erinnere. Genauer gesagt erinnere ich mich an die Fernsehbilder. Ich rede von dem Großbrand auf dem Gelände der Firma Sandoz, der als Folge den Rhein rot färbte. Vor ein paar Jahren haben ich dazu eine Zusammenfassung für das Feuerwehr Weblog geschrieben, die ich an dieser Stelle erneut - und unverändert - publiziere.

Der Rhein ist r(t)ot

1986 war das Jahr der Katastrophen: der GAU in Tschernobyl und die Explosion der Challenger. Diese Unglücke waren weit weg, bis zum 1. November jedenfalls. An diesem Tag kam es zu einer Brandkatastrophe mitten im Herzen von Mitteleuropa: Schweizerhalle, Sandoz.

Halle 956 in Flammen

Es war kurz nach Mitternacht, als eine Polizeistreife ein Feuer in der Lagehalle 956 im Industriegebiet Schweizerhalle bei Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) entdeckte. Die herbeigeeilte Werkfeuerwehr löste Großalarm aus. Feuerwehren aus der Umgebung und die Berufsfeuerwehr aus dem benachbarten Kanton Basel-Stadt rückten an. Etwa 160 Feuerwehrleute konnten das Feuer bis in die frühen Morgenstunden löschen.

Eine übel riechende Wolke zog über die angrenzenden Gemeinden und Basel hinweg. Außer Atemwegsbeschwerden und Augenentzündungen durch Phospor, Schwefel-, Stickstoff- und Kohlenoxyddämpfe gab es glücklicherweise keine Opfer.

Der Rhein färbt sich blutrot

Was nun folgte, war ein Schock für die Rheinanlieger. Mit dem Löschwasser wurden etwa 15 bis 40 Tonnen Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel in den Rhein geschwemmt – darunter 34 verschiedene Giftstoffe, z.B. lebensgefährliche organische Qucksilberverbindungen.

Der Rhein bei Basel färbte sich rot. Die Konzentration der Giftstoffe war so hoch, dass noch im Mittel- und Unterrhein tausende Fische starben. Unter anderem wurden etwa 150.000 tote Aale aus dem Wasser gefischt. Das Trinkwasser entlang des Stroms wurde vorübergehend knapp. An manchen Stellen konnte bis zu drei Wochen lang kein Rheinwasser entnommen werden. Nach einer Woche erreichte der 70 Kilometer lange Giftteppich die Niederlande. Die Katastrophe erstreckte sich bis ins Wattenmeer.

Tschernobale

Das Unglück von Schweizerhalle war sicherlich nur der Medienstar unter den Chemiekatastrophen am Rhein – schon lange vorher galt er als Kloake. In den Medien wurde das Unglück als „Tschernobale“ oder „Bhobale“ bezeichnet (Bale ist das französische Wort für die Stadt Basel). Zudem lag das Unglück in einer Zeit gesteigerter Sensibilität der Umwelt gegenüber. Der Unfall erschütterte den Glauben an die Sicherheit der chemischen Industrie. Erst diese Katastrophe trug den Gewässerschutz ins Bewusstsein von Politik und Öffentlichkeit. Gleichzeitig war er Anlass zum Umdenken im Störfallschutz.

20 Jahre danach

Es hat beinahe zwei Jahrzehnte gedauert, bis der Rhein sich fast vollständig erholt hat. Umfangreiche Sanierungs- und Schutzmaßnahmen hoben die Wasserqualität. Die Grundbelastung mit vielen Schadstoffen liegt mittlerweile um siebzig Prozent unter dem Niveau vor der Katastrophe.

Einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Schadenswirkungen trug der Rhein selbst bei: im November 1986 führte er Niedrigwasser, und damit blieben die Seitenarme und Teile des Ufers von der Giftbrühe verschont. Ein ungewöhnlich starkes und lang anhaltendes Hochwasser im im darauf folgenden Jahr spülte den Rhein kräftig durch, und schwemmte viele Giftstoffe fort. 1992 zeigte der Rhein schon erste Anzeichen einer Besserung.

Die Rückkehr der Lachse ist ein Symbol der Gesundung. Mit 63 Arten ist die Fischfauna des alten Rheins fast wieder komplett. Nur der Stör fehlt noch. Essbar sind viele Fischarten wieder. Nur im Aal ist die Schadstoffbelastung noch zu hoch.

Bei den am Rhein ansässigen Unternehmen gibt es inzwischen ein Bewusstsein für die Risiken und auch eine große Angst davor, negativ in den Schlagzeilen zu landen. Deshalb wurden etwa 60 Milliarden Euro in Auffangbecken und Kläranlagen investiert. Das Wasser des Rheins wird besser als je zuvor überwacht.

Ursache

Obgleich vor wenigen Jahren Journalisten des ZDF behaupteten (Link), hinter dem Brand steckte die Stasi, um von Tschernobyl abzulenken, gilt die Ursache inzwischen als gesichert: Eine Palette mit mehreren Papiersäcken Berlinerblau wurde 31. Oktober 1986 in der Lagerhalle mit Folie überzogen. Obwohl auf dem Sicherheitsdatenblatt “Vermeidung des Kontaktes mit Zündquellen“ stand, brachte ein Arbeiter die Folie mittels Gasbrenner zum Schrumpfen. In der Nacht darauf stand die Halle in Flammen.

Berlinerblau (Pariser Blau, Eisencyanblau, Turnbulls Blau, Bronzeblau) war der erste moderne synthetische Farbstoff. Es ist ein lichtechtes, tiefblaues, mineralisches Pigment. Der Stoff glimmt über 12 Stunden rauchlos ohne Brandgeruchsemmissionen. Setzt man den Stoff hohen Temperaturen (über 140 °C) aus, können als Zersetzungsprodukte Blausäuredämpfe und Ammoniak entstehen. Der Stoff ist unter der Wassergefährdungsklasse 1 und somit als schwach wassergefährdend eingestuft. Er wird auch für den menschlichen Körper als untoxisch eingestuft.

Unzureichender Brandschutz

In der 4500 Quadratmeter großen Lagerhalle werden außer Berlinerblau auch 500 bis 1200 Tonnen Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel gelagert. Obwohl der ursprüngliche Zwecke der Halle die Lagerung von Apparaten war, werden ab 1979 agrochemische Produkte und Chemikalien aufbewahrt. Außerdem hatte die Halle völlig ungenügende Brandschutzanlagen und keine Rückhalte- und Auffangbecken.

Feuerwehrleute verurteilt

Nach der Brandkatastrophe wurden zwei Feuerwehrleute verurteilt, die Löschwasser in den Rhein geleitet hatten. Der Firmenleitung von Sandoz war keine Verantwortung nachzuweisen. Sandoz zahlte 98 Millionen Franken Sanierungskosten und 43 Millionen (27 Millionen Euro) Franken Schadensersatz an die betroffenen Länder. Außerdem stellte die Firma damals 10 Millionen Franken für Forschungszwecke zur Verfügung.

Weiterführende Links:
swr.de
SWR (2011)
DRS
swissinfo
Frankfurter Rundschau
Wormser Zeitung
Wikipedia

Mercedes und Metz eine Wahlverwandschaft

Montag, April 18th, 2011

Snippets von der Retro Classics (5): Daimler-Benz-Metz Feuerwehrfahrzeuge

DL 25 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1959, im Einsatzdienst bis 1987.

DL 25 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1959, im Einsatzdienst bis 1987.

(sc). Es gibt Dinge, die sind so wie sie sind. Wir nehmen sie hin, weil es immer schon so war. Verschwinden sie, dann fragen wir auch nicht mehr danach. Vielleicht gehört eine Episode aus der Feuerwehrfahrzeuggeschichte auch zu diesen „Dingen“. Jedes Feuerwehrfahrzeug besteht aus – wenn wir es einfach halten – zwei Komponenten: Chassis und Aufbau. Die Hersteller und Konstrukteure der beiden Komponenten lassen sich in Deutschland an einer Hand abzählen. Dennoch haben wir es mit einer großen Varianten- und Kombinationsvielfalt zu tun. Das war nicht immer so.

(weiterlesen…)

Die Wiege der MAN-LKW liegt am Bodensee

Dienstag, April 12th, 2011

Snippets von der Retro Classics (4): MAN-Saurer

(sc). Feuerwehrfahrzeuge von MAN besitzen keine mit Magirus oder Daimler-Benz vergleichbare Tradition – so scheint es zumindest. Das Miteinander von MAN und Feuerwehr war nämlich von wechselvollem Verhältnis. Wer im Übrigen von MAN-Lastwagen spricht, muss auch den Namen Saurer erwähnen. Denn MAN nahm 1915 mitnichten von selbst die Produktion von LKW auf – und das in doppeltem Sinne.

Für das deutsche Militär hatten Lastkraftwagen im 1914 vom deutschen Kaiserreich entfesselten Weltenbrand strategische Bedeutung. Aus diesem Grund richtete die oberste Heeresleitung – sozusagen die deutsche Militärregierung – die Aufforderung an die deutsche Industrie, LKW zu bauen.

(weiterlesen…)