Archive for the ‘Mars’ Category

Frontiers on Mars

Donnerstag, April 9th, 2015

Rezension von Jerry Pournelles Mars, ich hasse dich!

Vor drei Jahren kündigte der niederländische Unternehmer Bas Lansdorp an, bis 2025 die ersten vier Menschen zum Mars senden zu wollen – ohne dass es eine Möglichkeit zur Rückkehr auf die Erde gebe. Während sich, so die Stiftung MarsOne, Hunderttausende freiwillig bewarben, blieben Wissenschaftler und Raumfahrtexperten skeptisch und ablehnend. Das Prinzip One-Way-Ticket, mit dem MarsOne die Kosten reduzieren wolle, lehnen viele aus ethischen Gründen ab. Nun ist es so, dass die Science-Fiction diesen Ansatz nicht schon längst aufgegriffen hätte, wie in Jerry Pournelles Mars, ich hasse dich!

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Frontierszenario mit Geistesgestörtheit

Montag, Januar 19th, 2015

Philip K. Dick: Mozart für Marsianer

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Dick zu lesen ist bisweilen anstrengend. Während die Kurzgeschichten oder auch Novellen gut von der Hand gehen, sind seine Bücher schwerer zugänglich, sogar sperrig. Schnell verliert sich der nicht konzentrierte Leser in der abstrusen Handlung. „Mozart für Marsianer“ (Original „Martian time-slip“) ist so ein Buch, das ob der während des Lesens aufkommenden Langweile infolge eines fehlenden Spannungsbogens schnell weggelegt ist. Aber der Reihe nach.

Der Mars ist besiedelt und die wenigen nativen Marsbewohner – die genetisch mit den Menschen verwandt sind – sind versklavt oder ziehen als Nomaden durch die Wüste. Die Menschen siedeln nur dort, wo Wasser ist. Nun will die UN ein großes, wasserloses und ziemlich staubiges Gebiet auf dem Mars kaufen, was Spekulanten auf den Plan ruft.

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“Ich bin so was von im Arsch”

Mittwoch, November 19th, 2014

Rezension von Andy Weirs Der Marsianer

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„Ich bin so was von im Arsch“ ist einer der anschaulichsten, aber auch einprägsamsten Einleitungssätze, vergleichbar mit Stephen Kings „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm“, aus dem ersten Band des „Dunkle Turm“-Zyklus. Nun lassen sich Weir und King inhaltlich und genretypisch schlecht vergleichen, denn Weir vermischt Near Future Science-Fiction – wobei man das Fiction ruhig sehr klein schreiben, oder gleich ganz weg lassen darf – mit den Elementen der Robinsonade.

Marsmission Nr. 3

„Ich bin so was von im Arsch“, sagt der Marsastronaut Mark Watney, als er realisiert, dass ihn seine fünf NASA-Kameraden der Mission Ares 3 auf dem Roten Planeten zurückgelassen haben, als diese vor einem Sturm flohen und Watney für tot hielten. Der Marsmensch Watney steht nun vor dem Problem, wie er überleben soll. Die Ressourcen sind sehr beschränkt, egal ob Lebensmittel, Wasser oder technisches Equipment. Immerhin, Watney kennt den Landeplatz der nächsten Marsmission, die in zwei Marsjahren landen soll. Statt in Panik zu verfallen und sich dem Schicksal zu ergeben, analysiert Watney die Situation und berechnet – im wahrsten Sinne des Wortes – was er zum Leben benötigt und wie er es herstellen kann. Wasser stellt er unter Bedingungen her, die jedem Brandschutzexperten der Nase die Nackenhaare aufstellen lassen würde, aber auch Kartoffeln baut der überlebenswillige Marsbewohner und Botaniker an.

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Faszination Mars: Der rote Planet in der SF-Literatur

Montag, November 10th, 2014

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„Bis zum Jahr 2020 könnten wir auf dem Mars landen“, sagte Apollo-Astronaut Buzz Aldrin einst, auch wenn halbwegs realistische Planungen eher von den 2030er Jahren sprechen. Der Rote Planet, nach dem römischen Kriegsgott benannt, beflügelte sei jeher die Fantasie oder Ängste der Menschen, beginnend mit den beobachteten „Vegetationszonen“ im 18. Jahrhundert bis hin zu Giovanni Schiaparellis „Canali“ die ihn auf intelligentes Leben schließen ließen. Immerhin hielten selbst Wissenschaftler bis in 1960er Jahre hinein zumindest niedriges Leben für denkbar. Diese Gedankenwelt prägte die Science-Fiction-Literatur.

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Kryptische Kriminalkiste

Samstag, November 1st, 2014

Rezension von Hannu Rajaniemis Quantum

Buchcover "Quantum"

Hannu Rajaniemis „Quantum“ (im englischen Original „The quantum thief“) ist der Debütroman des in Schottland lebenden Finnen und lässt sich alles andere als einfach zusammenfassen, da hierzu zuerst der Rahmen, in dem die Geschichte spielt, erklärt werden müsste. Rajaniemi gestaltet nämlich ein Ideenuniversum, das seinesgleichen sucht, welches aber Lesen und Verstehen sehr vertrackt macht und den Leser vieles nicht (sofort) nachvollziehen lässt. Neue Begriffe, unbekannte Umstände und Dinge, die uns eigentlich unmöglich erscheinen, konfrontieren, verwirren und fordern.

„Quantum“ ist eine ziemlich skurrile Mischung aus schräger, posthumanistischer Science-Fiction mit Cyberpunk-Anleihen und stringenter, aber banaler Kriminalerzählung im Pulp-Stil, gepaart mit politischen Überlegungen, wie sich Herrschaft durch überlegene Technologie auswirkt.

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„Halbintelligenter Schwachsinn“

Montag, Oktober 20th, 2014

Rezension von Dan Simmons‘ Olympos

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Endete Simmons‘ Buch „Ilium“ mit dem Satz »Der Krieg gegen die Götter hatte begonnen«, war klar, dass der Amerikaner die Geschichte um den Altphilologen Thomas Hockenberry und die griechischen Götter, die Altmenschen Harmann und Daeman sowie den biomechanischen Moravecs fortsetzen würde. Olympos erzählt denn auch die Erlebnisse der Hauptpersonen aus „Ilium“ weiter und führt die drei Handlungsstränge am Ende zusammen. Vorweg, Thomas Hockenberry ist, entgegen der Zusammenfassung auf dem Buchumschlag, nicht Hauptperson, sondern spielt nur noch am Rande eine Rolle.

Abwechselnd erzählt Simmons nun, wie die Moravecs, in Begleitung von Hockenberry und Odysseus vom Mars zur Erde reisen, die Altmenschen um Harmann, Daeman, Hannah und Ada sich gegen die Voynixe wehren, Setebos und Caliban zur Erde kommen und schließlich wie es mit den Göttern auf dem Mars weitergeht.

Der Leser erfährt, dass die Voynixe per Zeitreise aus der Vergangenheit kamen und ursprünglich zu dem Zweck konstruiert wurden, Menschen zu töten, anstatt ihnen zu dienen, jedoch Prospero die Programmierung änderte. Ebenfalls löst Simmons die Frage auf, weshalb Wesen aus Shakespeares‘ Sturm eine wesentliche Rolle spielen. Hier greift Simmons auf die Quanten- und Parallelwelttheorien zurück, in dem er erklärt, dass diese Wesen aus Parallelwelten stammen, die Ideen/Visionen/Vorstellungen der Menschen Realität werden lassen, quasi gedankliche Manifestationen sind. Ferner gibt er Einblicke in 6.000 Jahre Menschheitsgeschichte und erklärt, warum die Welt so ist, wie sie ist.

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“Die Geister, die ich rief”

Donnerstag, Februar 20th, 2014

Rezension von Greg Bears Heimat Mars

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Greg Bear, einer der gegenwärtig bedeutendsten amerikanischen Science-Fiction-Autoren, nahm sich 1993 dem Mars an. Bear verbindet in „Heimat Mars“ (Originaltitel „Moving Mars“) die Geschichte der marsianischen Gesellschaft und ihrer Struktur mit harter Science-Fiction, genauer der praktischen Anwendung quantenphysikalischer Entdeckungen und deren politischer Konsequenzen. Dafür gewann „Heimat Mars“ 1994 den Nebula Award für den besten Roman. Nominiert war das Buch ferner für den Locus Award und den John W. Campbell Memorial Award.

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Mars, Melancholie und Mystik

Donnerstag, Oktober 17th, 2013

Buchbesprechung von Frank W. Haubolds Die Schatten des Mars

Als „melancholische Dystopie“, beeinflusst von Ray Bradburys „Die Mars-Chroniken“, beschreibt Frank W. Haubold seinen Episodenroman „Die Schatten des Mars“, mit dem er 2008 den Deutschen Science Fiction Preis als besten Roman gewonnen hat. Treffender wäre wohl die Charakterisierung als „dystopische Melancholie“, denn obwohl sich dystopische Elemente durch das Buch ziehen, stets präsent sind, stehen diese nicht im Mittelpunkt, sie bilden eher den Ausgangspunkt oder den Hintergrund für die Erzählung der Biografien der Protagonisten, die gesteuert von einer seltsamen, mystisch-transzendenten Macht, von der Erde fliehen und auf dem roten Planeten ihr Heil suchen und finden.

Haubold erzählt in flüssiger, traurig-melancholischer Stimmung die Lebensgeschichten verschiedener, von der Realität gezeichneter Menschen, die ihr Leben lang von der Vision der mystischen gläsernen Stadt begleitet wurden, deren Ursprung der Mars ist. Die Lebenswege der Auserwählten kreuzen sich dort. Mit jedem neu erzählten Schicksal schreitet auf einer anderen Erzählebene die mit Hoffnungen verbundene Besiedelung des Mars und dessen Terraforming voran, zeigt zugleich jedoch eine ebenso kaputte Erde – in gesellschaftlicher, politischer wie klimatischer Perspektive. Die Einzelschicksale stehen sinnbildlich für den Untergang der Herrschaft der Menschen über die Erde: Krieg, Terrorismus, Leid gibt es zuhauf. Der Mars bildet das Sinnbild eines Neuanfangs im Frieden, obgleich die Marskolonisation ebenso katastrophal endet, wie das durch einen globalen Krieg ausgelöschte Leben auf der Erde.

So ausgestorben, wie sich der Mars den Menschen zeigt, scheint er in Wirklichkeit nicht, wie die von den Visionen auf den Mars gebrachten Kolonisten erkennen müssen. Eine uralte Macht, die sich spirituell-transzendent erhalten hat, gibt den Kolonisten Hoffnung und am Ende treten sie das Erbe der Marsianer an.

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Gelesen, gelesen … gelesen

Mittwoch, September 25th, 2013

In den vergangen Wochen habe ich eine Menge der physikalisch auf dem Bücherregal und digital auf dem eBook-Reader angesammelten Bücher gelesen. Ich möchte nicht zu jedem Buch eine Besprechung schreiben, dazu fehlt mir einfach die Zeit, aber in der nachfolgenden kurzen Auflistung mache ich ein paar Bemerkungen.

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Fixpunkt aller Weltraumvisionen

Donnerstag, Juli 4th, 2013

Bemerkungen über Arthur C. Clarkes Projekt Morgenröte

Gibson, erfolgreicher Science-Fiction Autor, fliegt in den 1990er Jahren auf Einladung zum Planeten Mars. Als erster Marstourist obliegt es ihm, durch seine Popularität und sein journalistisches Wirken die Werbetrommel zu rühren. Das Kreuzfahrtraumschiff Ares bringt ihn auf dessen Jungfernfahrt in einer mehrwöchigen Reise auf den Roten Planeten. Höhepunkt des Fluges ist das Einfangen einer Frachtrakete, die einen Impfstoff für das Marsfieber transportiert. Bereits während des Fluges muss Gibson den Unterschied zwischen seinen Science-Fiction-Geschichten und der Realität erkennen. Angekommen am Mars, erleben Gibson und die Besatzung der Ares die erste Überraschung, denn statt, wie gewohnt, den gut ausgebauten Weltraumhafen auf dem Mond Phobos anzulaufen, soll die Ares auf dem Mond Deimos festmachen.

Auf der Spur des Rätsels

Des Rätsels um Phobos nicht genug entdeckt Gibson auf einer Erkundungstour auf dem Mars ein Laborgebäude, welches dort nicht vorhanden sein sollte. Der Gruppe um Gibson verwehren die dort arbeitenden Wissenschaftler den Zutritt. Gibson lässt dies aufhorchen und er beginnt Nachforschungen anzustellen, die ihn zu Gouverneur Warren Hadfield führen. Hadfield und Port Lowells Bürgermeister Whittaker sind sich bloß uneinig darüber, inwiefern sie Gibson ins Vertrauen ziehen können.

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