Archive for the ‘Technologie’ Category

SAFFIRE-II verlief erfolgreich

Mittwoch, Januar 18th, 2017

Brandversuche der NASA im Weltall - Teil II

Wie bereits Mitte Oktober geschrieben, führte die NASA am 21. November 2016 an Bord des unbemannten Raumfrachters Cygnus von Orbtial ATK mit SAFFIRE-II die zweite Versuchsreihe zur Entflammbarkeit und zum Brandverhalten in der Mikrogravitation durch. Das Feuerwehr Weblog berichtete mehrfach über die Versuchsreihe (1, 2, 3, 4). Die NASA erklärte das Experiment zum Erfolg und veröffentlichte zwei Videos, die den Abbrand verschiedener Materialien zeigen. Das Team machte während der Brandversuche 100.000 Bilder (sic!). Diese und weitere Daten konnten bis zum 25. November heruntergeladen werden, bevor der Raumfrachter am 27. November in der Erdatmosphäre verglühte.

Eine Probe Acrylglasmaterial, das in den Raumfahrzeugfenstern verwendet wird, brennt an Bord des privaten Cygnus Frachtschiffs am 21. November 2016, während des Saffire-II Experiments der NASA. Bildquelle: NASA Bildbeschreibung: Eine Probe Acrylglasmaterial, das in den Raumfahrzeugfenstern verwendet wird, brennt an Bord des privaten Cygnus Frachtschiffs am 21. November 2016, während des Saffire-II Experiments der NASA. Bildquelle: NASA

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Einsatz für die Weltraumfeuerwehr

Mittwoch, Januar 18th, 2017

Der nächste Brand im Weltraum

saffire_mission_logo

Ein Brand an Bord von Raumfahrzeugen (und Raumstationen) gehört wohl zu den Worst Case Szenarien der bemannten Raumfahrt, nicht nur wegen der destruktiven Auswirkungen von Feuer und Rauch, sondern auch deshalb, weil relativ wenig über das Verhalten von Feuer in der Mikrogravitation bekannt ist. Im Juni 2016 führten Wissenschaftler mit SAFFIRE-I, das erste, von drei geplanten, kontrollierten Brandexperimenten in größerem Umfang an Bord eines zur Erde zurückkehrenden Raumfrachters durch (das Feuerwehr Weblog berichtete). Bald soll nun der zweite Teil – SAFFIRE-II – folgen.

Hierzu startete am 18. Oktober 2016 eine Antares Rakete von Orbtial ATK, die ein Cygnus-Raumfrachter (OA-7) mit Nachschub und verschiedenen Experimenten zur ISS brachte. Mit an Bord sind insgesamt zwei Experimente, die mit Feuer und Bränden zu tun haben.

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„Das könnte alles auf seinen Mist gewachsen ein“*

Montag, Juli 25th, 2016

Wir leben in der Zukunft, zumindest dann, wenn man den wissenschaftlichen Fortschritt mit den Vorhersagen/Ideen der Science-Fiction vergleicht. Nun habe ich in dieser Woche zwei Meldungen in den Nachrichten gelesen, die sich eindeutig unter meine obige Aussage subsumieren lassen. Doch dieses Mal erfanden Forscher keinen neuartigen Werkstoff, sondern nahmen sich das Baumaterial vor, dass sich die Menschen von Beginn an zu Nutze machten und noch immer machen: Holz. Und spätestens hier horcht dann auch der Feuerwehrmann auf.

Transparentes Holz

Wissenschaftler der Universität von Maryland (USA) konnten Holz transparent machen, indem sie das Lignin, das dem Holz seine Farbe und seine Festigkeit gibt, herauslösten und die übrig gebliebene Zellulose in Kunstharz ausgossen. Nach Aussagen der beteiligten Forscher eignet sich das transparente Holz besonders für Solarzellen, weil durch die Trübung die Reflektion des auf die Solarzellen fallenden Lichts verhindert werde. [Golem.de | Wired.de]

Feuerfestes Holz

Einer Doktorandin an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) an der ETH Zürich gelang es, die Brennbarkeit des Holzes auf natürliche Weise zu reduzieren. Um dies zu erreichen, wird das Holz mineralisiert, indem Kalziumkarbonat in der Zellstruktur des Holzes abgelagert wird. Brandversuche bestätigten, dass die Brennbarkeit um ein Drittel gesenkt werden konnte. Damit, so die Aussage, wäre es möglich den Baustoff Holz – besser wäre es nun vom Hybridmaterial Holz zu sprechen – mit weniger Brandschutzauflagen im Bau einzusetzen bzw. ihn dort zu verwenden, wo es aus Brandschutzgründen bisher nicht möglich war. Nicht nur ist das Hybridholz umweltverträglicher, es verliert seine flammenhemmenden Eigenschaften im Gegensatz zu auf das Holz aufgetragenen Stoffen mit der Zeit nicht. [empa.ch]

*Die Star Trek verstrahlten unter uns wissen, auf was ich hier Anspiele: Die „Erfindung“ des transparenten Aluminiums im Jahre 1986 unter Mithilfe von Mr. Scott Memory Alpha

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 19.05.2016 im Feuerwehr Weblog.

Fire in the Soyuz!

Montag, Juli 25th, 2016

Simulation eines Brandes an Bord einer Soyuz-Kapsel

Zwar schon ein paar Tage alt, aber ein durchaus interessantes Video der ESA zeigt das Astronautentraining in einem Soyuz Simulator in Star City (Yuri Gagarin Cosmonaut Training Center Russland), das den Astronauten Andreas Mogensen und den Kosmonauten Sergei Volkov mit nicht alltäglichen Notfallsituationen konfrontiert, die während eines Raumfluges auftreten können. Der Soyuz-Ausbilder entschied sich nämlich dafür, die beiden mit Feuer und dem Druckablassen zu konfrontieren. Die betagte Soyuz-Kapsel ist derzeit das einzig verfügbare Raumfahrzeug zum Transport von Menschen zur ISS – angesichts diverser Rückschläge in der Raumfahrt (auch bei Roscosmos) eine nicht abwegige Trainingsmaßnahme.

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Condition Red – Alarm im Weltraum

Mittwoch, März 23rd, 2016

SAFFIRE - Die NASA erforscht Brände im All

Gabeln werden auf Teller gelegt, das Rascheln der Zeitungsseiten unterbrochen und die Lautstärke des Fernsehgeräts reduziert, als der schrille Alarmton die Frauen und Männer der Raumwache auffordert, der folgenden Durchsage zu lauschen:

„Einsatz für Löschraumgleiter 81, Rüstsfähre 3 und Rettungsflieger 61. Brand auf Raumstation 51, Modul 42!“

Mit geübter Eile und gewohnten Griffen ziehen die Weltraumretter ihre feuerhemmenden Schutzanzüge an, begeben sich auf ihre Fluggeräte und spielen in Gedanken die Schritte des Notfallprogramms für Raumstationen durch. Was noch vor wenigen Jahren Astronauten und Techniker vor große Herausforderungen stellte, ist für die Feuernauten inzwischen eine Routineangelegenheit: Brände im Weltraum. Die Grundlagen hierfür wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts gelegt, als eine Reihe von Experimenten, das Verständnis von Brandverläufen in der Mikrogravitation beförderte.

Soweit ein kleines, in der Zukunft angesiedeltes Gedankenspiel, dessen Grundannahme ganz und gar nicht fiktional ist: die Erforschung von Feuer und Brandverläufen in der Mikrogravitation und an Bord von Raumfahrzeugen. Vor mittlerweile zwei Jahren hatte ich bereits mit dem Artikel „(K)ein Feuer in der Schwerelosigkeit[1] auf die Problematik von Bränden im Weltraum und die schwache Forschungslage hingewiesen. NASA und ESA wollen nun mit einer Reihe von Experimenten die Datenlage erweitern, ein Brand auf der ISS käme nämlich einem Worst-Case-Szenario gleich.

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Wer die Wärme liebt, muss den Rauch dulden

Donnerstag, Dezember 4th, 2014

Übungsbeispiele und –ideen für die Ausbildung an und mit der Wärmebildkamera

Feuerwehrmann als optisches Bild und Darstellung im Display einer WBK Feuerwehrmann als optisches Bild und Darstellung im Display einer WBK.

Die zunehmende Verbreitung von Wärmebildkameras (WBK) in Deutschland zeigt, dass die Feuerwehren die zahlreichen Appelle aufgenommen und verinnerlicht haben. Der erste, und wohl schwierigste Schritt, das Gerät überhaupt erst einmal zur Verfügung zu haben, scheint vielerorts getan. Scheint deshalb, weil es bei diesem einen Schritt nicht bleiben darf. Eine Wärmebildkamera ist kein Wundergerät: Ihr Vorhandensein an der Einsatzstelle ersetzt nicht gebräuchliche und gewohnte Taktiken, sie löscht keine Brände, ihre Bilder zeigen eine andere Realität als die des menschlichen Auges. Dies muss sich jeder Anwender immer ins Gedächtnis rufen. Die WBK ergänzt „unser Geschäft“ dennoch optimal. Damit diese Ergänzung die Zielerreichung erhöht, den Einsatzablauf effizienter macht und letztlich die Sicherheit für Mannschaft wie Betroffene erhöht, bedarf es einer entsprechenden Unterweisung, einer praktischen Ausbildung an und mit dem Gerät. Nur wer ihre Vor- und Nachteile, die Einsatzgrenzen und Eigenheiten kennt, vermag die WBK effektiv und richtig im Einsatz zu führen. Das ist der zweite Schritt.

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“Tausende Nutzer aus dem deutschsprachigen Raum”

Montag, Juni 2nd, 2014

Interview mit Gabriel Freinbichler von wasserkarte.info

Übersichtskarte von wasserkarte.info Ausschnitt einer Übersichtskarte mit Google Maps als Kartenanbieter. Die verschiedenen Farben der Marker legen den Verwendbarkeitsstatus fest (verwendbar, eingeschränkt verwendbar, nicht verwendbar). Quelle: Wasserkarte.info

Wasserkarte.info stellt ein kostenloses Hilfsmittel bei der Erstellung und Visualisierung von Wasserentnahmestellen dar. Die Software verarbeitet hierzu neben Standortdaten auch Höhenprofile, sodass sich für exponierte Objekte die Wasserförderung über lange Wegstrecke im Voraus berechnen lässt. Einem größeren Kreis bekannt, wurde das Projekt wasserkarte.info durch eine Meldung auf dem Online-Portal heise.de. Auch das Feuerwehr Weblog berichtete bereits.

Im Interview erzählt Gabriel Freinbichler, wie er auf die Idee online gestützter Wasserentnahmekarten kam, auf welche Technik und Daten er setzt und was er für die Zukunft mit seinem Projekt plant.

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(K)ein Feuer in der Schwerelosigkeit

Mittwoch, Mai 21st, 2014

Brandbekämpfung und Brandverhütung an Bord der ISS

In Science-Fiction Serien wie „Star Trek“ klingt die Brandbekämpfung an Bord von Raumschiffen immer leicht und unkompliziert: Bricht ein Feuer aus, aktiviert sich automatisch ein Eindämmungsfeld und erstickt den Brand. Nun ja, die Welt von „Star Trek“ liegt in einer fernen Zukunft, sodass die irdisch-gegenwartsbezogene Frage nach dem Verhalten von Feuer in der Schwerelosigkeit (oder Mikrogravitation) und den zu ergreifenden Löschmaßnahmen durchaus berechtigt ist. Immerhin gab es mindestens einen kritischen Brand im Orbit: Am 24. Februar 1997 brannte an Bord der ehemaligen russischen Raumstation MIR 14 Minuten lang eine Sauerstoffkerze.

International Space Station. Bild: NASA / Wikimedia Commons International Space Station. Bild: NASA / Wikimedia Commons

Mit der ISS (International Space Station) existiert nur ein bemannter Außenposten der Menschheit im All und die Frage nach einem funktionierenden Brandschutz(konzept) ist für die Crew überlebenswichtig. Im Gegensatz zur Erdoberfläche kann ein Astronaut nämlich nicht einfach vor die Türe treten, wenn es brennt, sprich, seine Flucht- und Überlebensmöglichkeiten sind begrenzt. Ferner verhält sich ein Feuer im All anders und die Verbrennungsprodukte, Wärme und toxischer Rauch, verflüchtigen sich aufgrund der Schwerelosigkeit ebenfalls nicht so einfach wie unter freiem Himmel.

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Die Geister der Vernetzung

Dienstag, Januar 14th, 2014

Eine Kurzgeschichte, inspiriert durch die Übernahme von Nest Labs durch Google

(sc). „Piiiieeeeeepppp Piiiiieeeeeppp Piiiiieeeeeppp!“ Ein markerschütternder, lästiger, hoher Piepton ließ mich aus dem Bett fahren. Ein Ton, der selbst Hunde in den Wahnsinn treiben würde. Augen auf. Dunkel. Kein Licht. Nichts zu sehen. Große Verwirrung erfasste mich. Wo bin ich? Was mache ich hier? Ein kurzer Blick in das dunkle Zimmer, links, rechts, oben, unten, bestätigte meine unterbewusste Vermutung, ich lag doch nicht im Sand, das beruhigende Rauschen des Meeres in den Ohren. Kein Urlaub. Keine Sonne. Kein Ausspannen. Tschüß angenehmer Traum, willkommen in der Realität.

„Piiiieeeeeepppp Piiiiieeeeeppp Piiiiieeeeeppp!“ Aufrecht im Bett sitzend, die mollige Wärme der Bettdecke einbüßend, wehrte sich mein Trommelfell mit aller Macht gegen den schallenden Gesang der maschinellen Musikinterpretation. Was dröhnt derart nervtötend? Was reißt mich mit diesem prahlerischen Klang aus dem Schlaf? Was tanzt mir da gellenend, mit schrillen Hall im Ohr herum? Ich warf die Bettdecke in hohem Bogen zurück, eine Kältewelle erfasste meine nackten Füße. Statt im warmen Sandstrand zu baden, schwang ich meine Füße auf den kalte Oberfläche meines Parkettbodens. Vorsichtig tastete ich mich durch das Zimmer. Wie ein Blinder forderte ich meine Sinne heraus. Wie eine Fledermaus wollte ich der mir in den Weg stellenden Gegenstände Gewahr werden.

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Gedanken zu einem Interview

Mittwoch, März 21st, 2012

Auf ZEIT online habe ich die Tage ein Interview mit dem Neurolinguisten Horst Müller über die Zukunft des Buches und, im weiteren Sinn, des Lernens sowie der Informationsaufnahme gelesen. Müllers These und Vision klingt, auf den ersten Blick, reizvoll und deckt sich in etwa mit der meiner Kurzgeschichte zugrundeliegenden Thematik, dass sich alles im Kopf abspielen wird. Lesen als Prozess der Informationsaufnahme und Bildung verändert grundlegend seinen Charakter, denn Informationen werden ausgelagert, visualisiert, entweder in Form von Bildern oder von Hologrammen. Der Umgang mit Information wird, folgt man Müllers Vision, interaktiver. Die Idee hat durchaus seinen Charme und ich bin wenig abgeneigt in meiner Kurzgeschichte auf diese Form der Wissensvermittlung zurückzukommen. Aber: Als ich von der Nachrangigkeit des Lesens las, musste ich unweigerlich an Ray Bradburys dystopischen Roman Fahrenheit 451 denken.

Bradbury beschreibt in Fahrenheit 451 einen Staat, in dem es verboten ist, Bücher zu besitzen oder zu lesen. Gegen die Langeweile setzt das politische System, wen wundert es, Videowände ein. Hintergrund des Bücher- und Leseverbots ist, dass selbstständiges Denken als gefährlich eingestuft ist – gefährlich für die Stabilität des politischen Systems, um genauer zu sein.

Überlagert man nun die Bradbury’sche Dystopie mit der Vision von Müller, so ergeben sich Anknüpfungspunkte dafür, wie die Müller’sche Technologie das Denken und damit Handeln der Bürger beeinflussen und einen politischen Status zementieren oder verändern kann. Hologramme sind z.B. der Ersatz für die Videoleinwände.

Ich möchte das von Müller Erdachte nicht verteufeln, wie gesagt, ich finde diese Ideen sympathisch, aber ich will auf die Dual-Use-Fähigkeit dessen verweisen. Dual-Use bezeichnet eine Technologie, die sowohl für zivile, wie für militärische Zwecke nutzbar ist. Dual-Use in meinem Kontext bezeichnet den möglichen Einsatz für positive wie für negative politische und gesellschaftliche Zwecke. Das Potenzial zur Repression steckt also in jeder Technologie.