Die Brigade des Schreckens

… oder wie lange wir in der Zombiecalypse überleben würden

28 Days later, Resident Evil, World War Z. Sie kommen uns holen, bestimmen rotten sie sich im Verborgenen bereits zusammen und wir sitzen hier auf dem Präsentierteller. Schließlich zeigen Kino und Fernsehen die Gefahr in Dauerschleife. Deshalb gibt die Regierung von British Columbia (Kanada) auf Ihrer Webseite Verhaltenstipps für den Fall einer Zombiecalypse – also dem massenhaften Auftreten untoter Gestalten mit zügellosem Appetit – und auch das amerikanische Militär bereit sich auf den Einfall der wiederbeseelten Leichenhorden vor – zumindest wenn es um das Ausbilden der Grundlagen militärischer Planung geht. Das sorgte in der deutschen Presse natürlich vor einiger Zeit für Schmunzeln (z. B. „Kanada bereitet Bewohner auf Zombie-Angriff vor“, „Kanadische Provinz warnt vor Zombie-Attacke“, „Notfalltipps gegen Zombies“) und wer die entsprechenden Textbeiträge weiterliest, der erkennt, dass das popkulturelle Phänomen der Zombies nur Eyecatcher für ein weit wichtigeres Thema ist, oder in den Worten der Regierung von British Columbia: „If you’re ready for zombies, you’re ready for a disaster”.

Nun eignen sich Zombies auch für andere Lernprojekte, wie es bspw. Physikstudenten der University of Leicester (GB) durchgeführt haben. Um praktische Erfahrungen im Schreiben, Redigieren, Begutachten und Publizieren von wissenschaftlichen Artikeln zu erhalten, fragten sich die Studenten, wie lange die Menschheit bei Ausbruch eines Zombievirus überleben würde. Mithilfe eines epidemiologischen Modells errechneten sie die Schnelligkeit der Ausbreitung der Infektion und das Ergebnis ist aus Sicht eines Nicht-Untoten deprimierend: Die Menschheit würde ohne Vorbereitung innerhalb von 100 Tagen (un)tot sein.

Ich frage mich jetzt, ob wir nicht ein „Rotes Heft Nr. 1337 Zombieorientierte Rettung“ bzw. eine „Schnell-Einsatz-Regel Massenanfall von Zombies“ brauchen, die uns aus Feuerwehsicht klare Handlungsanleitungen zur Handhabung einer solchen Krisensituation geben. Wie muss ich einen Zombie ansprechen? Benötige ich Form 1 oder Form 2 beim direkten Kontakt? Feuerwehrbeil oder Halligan-Tool? Welche AAO soll gelten? Brauche ich einen ABZ-Zug?

Spaß beiseite, ich denke, dass sich „Zombies“, wie es das US-Militär oder die Studenten der University of Leicester vorleben, in gewisser als Übungsannahme/-objekt in Form eines Platzhalters für andere, nicht definierte Krisen durchaus eignen. Warum? Krisen, Unfälle, Katastrophen sind alle anders, auch wenn wir diese innerhalb vordefinierter Strukturen abarbeiten, macht es Sinn, abstruse Übungsthemen anzunehmen, allein um das Um-die-Ecke-Denken zu trainieren oder eine Übung einfach interessanter zu machen.

Ich spinne jetzt mal herum, aber warum nicht bei einer Übung annehmen, aus einem brennenden Haus retten wir Personen, die sich im Endeffekt als Zombies entpuppen. Was gilt es, zu beachten? Person verhält sich abnormal (Angstreaktion, Schock, Verletzung); Person ist kontaminiert (Dekon, Messgeräte, G-Zug); … Mit ein wenig Fantasie lässt sich ein Gruppen- oder Zugführer ganz schön stressen und danach hat man auf spielerische Weise nicht nur die Gefahrenmatrix verinnerlicht, sondern nebenbei auch diverse Feuerwehrmerkregeln trainiert. Einfach mal ausprobieren. „Noch irgendwelche Fragen?“ (Zitat aus „Scouts vs. Zombies“)

Dieser Artikel erschin am 19. Januar 2017 im Feuerwehr Weblog.

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