Stati verschiedener literarischer Projekte

Lange habe ich darüber sinniert und auch schon einen Blogbeitrag über meine Idee geschrieben. Die Rede ist vom Projekt (Kurz-)Geschichte.

Projekt Science-Fiction-Geschichte

Für das ursprünglich formulierte (Hard) Science Fiction-Projekt, habe ich, neben groben Skizzen, eine Menge Material gesammelt, das hauptsächlich im technischen Bereich seinen Schwerpunkt hat. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, denn soziale Aspekte und Alternativen sind durch die sich wiederholende Anthropologie ohnehin begrenzt. Die Kunst besteht also darin, das Gelesene so weiter zu spinnen, dass es als SF durchgeht. Das ist schwierig, weil der Fortschritt, wie der Name schon andeutet, derart schnell fortschreitet, dass meine Gedankengebäude schnell erodieren und technisch gesehen bereits der Vergangenheit angehören.

Viele Dinge, von denen wir vor zehn Jahren (!) noch sagten, das sei nicht möglich, sind, wenn auch zumeist nur in Labormaßstäben, durchaus Wirklichkeit geworden. Man denke z.B. an die Möglichkeit eine Tarnvorrichtung für bestimmte Lichtwellenbereiche, oder Graphen, Quantencomputer, Rekonstruktion von gesehenen Bildern durch Maschinen, … . Erschwerend kommt hinzu, dass Technik- und Gesellschaftsdystopien schon beinahe alles abgegrast haben, sodass nur wenig Raum für eigene literarische Akzente übrig ist. Irgendwann wiederholt sich nämlich alles. Im Grunde haben meiner Meinung nach Huxley, Wells und Orwell schon alles geschrieben.

Ich bin deshalb von dem ursprünglichen Projekt ein wenig abgerückt, bis ich mir darüber im Klaren bin, wohin die Reise gehen soll, sprich, was denn der rote Faden sein soll. Immerhin habe ich bereits eine Grobstruktur, die allerdings eher im Kriminalbereich anzusiedeln ist, gespickt mit ein wenig Technik, oder dem, was ich denke, was technisch möglich sein wird.

Zwei neue, spontane Ideen weiterverfolgt

Aus diesem Grund habe ich zwei andere Gedanken weiterverfolgt, die mir spontan kamen und die sich sehr schnell, in sehr viel handbeschriebenem Papier manifestierten. (Es geht doch nichts über spontane Gedanken und den guten alten Bleistift).

Während der eine Gedanke vom Umfang des Textes her schnell dutzende Blatt Papier verschlang – und es ist noch kein Ende abzusehen -, stieß ich bei dem anderen text auf logische und Konsistenzprobleme. Ich stelle den Grundgedanken beider (Kurz-)Geschichten schnell vor:

Text 1: Gedankenkontrolle durch das „System“

Text Nummer eins spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der Mensch-Maschine-Schnittstellen auf Ebene des Gehirns perfektioniert sind. Gedankenlesen ist keine Vision mehr, sondern Realität – und damit auch die Möglichkeit der Fremdsteuerung. Soweit so gut. Noch sind wir ganz klassisch. Jetzt wird es aber kompliziert.

hilosophisch-soziologisch tragende Fundamente sind der Existenzialismus von René Descartes auf der einen Seite („Ich denke, also bin ich“), auf der anderen Seite steht die Systemtheorie Luhmann’scher Ausprägung (Theorie der autopoietischen Systeme). Individuen handeln, nach Luhmann, innerhalb von sich selbsterhaltenden Systemen. Das Handeln ist demnach systemdeterminiert. Individualität gibt es nicht. Wenn man sich nu vorstellt, dass das System die Gedanken der Individuen bestimmt (oder kontrolliert, steuert), sind wir bei Descartes und der Frage, ob wir denn existieren, ob ich Ich bin, wenn das System für mich denkt. Passenderweise hat Luhmann seine Theorie der Neurobiologie entlehnt, sodass sich der Kreis in meiner Geschichte schließt.

Auch wenn die erste Version des Textes locker von der Hand ging, gelang es mir nicht, den Grundwiderspruch zwischen System und Individualität herauszustellen. In gewisser Hinsicht soll die Kurzgeschichte eine Warnung vor den gesellschaftlich-politischen Folgen einer zu offensiven Technisierung des Menschen bzw. der Schaffung vor Mensch-Maschine-Hybriden sein.

Auf die Idee gekommen bin ich durch den Film „Sie leben“ von John Carpenter sowie der Idee der Gedankenkontrolle in Orwells 1984 in Verbindung mit der Idee, dass alles öffentlich ist, wie in dem Thriller „Der Mastercode“ beschrieben. Aktuelle technische Entwicklungen wir Argumented Reality und all-wissende Smartphone Apps sowie die Nutzung von Social Media sponn ich einfach weiter. Sicherlich, „Inception“ griff die Idee auch auf, allerdings fehlte die Unmittelbarkeit der Folgen.

Text 2: Ein bisschen Fantasy und Historie

Der zweite Text befindet sich mehr oder minder am Übergang von Kurz-Geschichte zu Lang-Geschichte. Am Ursprung stand die Idee, was passieren würde, wenn der Bodensee vom einen auf den anderen tag kein Wasser mehr beinhalten würde. Durch Zufall und durch mein Interesse am Tauchen, verband ich diese Idee mit der „Teufelstisch“ genannten Felsformation in der Nähe von Wallhausen. In einem Forum stieß ich auf die Sage, dass der Teufelstisch eine Art Stöpsel darstellen würde, unter dem sich das Tor zur Hölle befindet. Nun hat dies weniger mit Science Fiction als mit Fantasy zu tun, aber ich fand den Grundgedanken faszinierend. Einerseits schreibe ich über eine Gegend, in der ich lebe, andererseits kann muss man sich nicht unbedingt an wissenschaftliche Fakten halten.

Die Story, die ich nun konstruiert habe, spielt auf drei Zeitebenen: Die erste bietet eine Erklärung für das Entstehen des Teufelstisches in der Würmzeit. Die zweite Ebene spielt in der (Spät-)Antike und erzählt alternativ, weshalb das römische Reich seine Grenzen nach Norden ausdehnte. Die dritte Ebene spielt in der Gegenwart bzw. einer sehr nahen Zukunft.

Zur ersten Handlungsebene gibt es nicht so viel zu erzählen. Der Rheingletscher schuf das Bodenseebecken, so wie wir es jetzt kennen, deshalb setze ich hier mit der Geschichte ein. Etwas stürzt vom Himmel, grub sich in den Gletscher respektive den zukünftigen Bodensee.

Die zweite Handlungsebene erzählt von den die Römer erschreckenden Mythen der Kelten und Teutonen, weshalb Rom beschließt den Grund zu eruieren und vielleicht für sich nutzbar zu machen. Allerdings haben die Römer über Jahrhunderte Probleme den Ort zu finden, an dem sich dieses Sagenhafte befinden soll. Schließlich verliert man das Interesse. Erst ein machtloser Senior Augustus, wenige Jahre vor dem allemanischen Rheinübergang, greift die Sage wieder auf und hofft seine Macht und das römische Reich mit dem, was er zu finden hofft, zu stabilisieren. Da der gute unter ungeklärten Umständen zu Tode kommt, man sagt, er habe wegen seiner Machtlosigkeit Suizid begangen, waren die Römer nicht erfolgreich. Dabei verlieren sie ihre gesamte Bodenseeflotte. Hintergrund ist, dass man bis heute kein einziges römisches Schiff im See gefunden hat, obwohl hier eine Flottile stationiert war.

In der dritten Handlungsebene kommt es zu unerklärlichen Vorkommnissen im Überlinger See der Gegenwart, die sich um den Teufelstisch konzentrieren, nachdem man mit der Fracking (Suche nach Erdgas) begonnen hatte. Es verschwinden Schiff, Taucher, Mini-Tauchroboter etc. In einer verzweifelten Mission schickt man nun zwei Taucher los, die den Teufelstisch erkunden sollen. Auch diese beiden verschwinden. Aus der Perspektive eines der Taucher erzählt die Geschichte weiter. Es erfolgt eine Zusammenführung mit einem Charakter aus dem Rom-Handlungsstrang.

Weiter geht es mit einem wasserlosen Bodenseebecken und allerhand eigenartiger Geschehnisse, bei denen wiederum keltische Götter eine Rolle spielen werden.

Derzeit lese ich mich einerseits tiefer in Sagenhaftes vom Bodensee ein, andererseits versuche ich mehr Informationen über die Römer am Bodensee einzuarbeiten.

Soweit das Projekt. In welche Richtung ich die Geschichte entwickle, weiß ich noch nicht. Denkbar wäre, dass ein außerirdisches Raumschiff unter dem Teufelstisch liegt oder dass das Böse, gefangen in einer Hülle, durch eine außerirdische Macht ins Gefängnis auf die Erde verbannt wurde.

Wenn jemand Ideen oder Vorschläge hat, darf er mir das gerne als Kommentar im Blog hinterlassen.

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