Es ist das Individuum, Dummkopf

Rezension von Robert A. Heinleins Starship Troopers

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“, sagte John F. Kennedy, 35. Präsident der Vereinigten Staaten, 1961 in seiner inaugural speech. Als zentrale Motivation flecht sich Kennedys Äußerung in das drei Jahre zuvor publizierte, novellenartige Sternenkrieger (Starship Troopers) von Robert A. Heinlein ein. Denn in dem schon zeitgenössisch kontrovers rezipierten Traktat verteidigt Heinlein den amerikanischen Pioniergeist vor dem Hintergrund der Bedrohung durch den Kommunismus und dem schleichenden Niedergang der Gesellschaft.

Kontroverse als Konstante

Während 1997 Paul Verhoevens Heinlein-Verfilmung Starship Troopers in den Kinosälen flimmerte, geisterte das Damoklesschwert der Faschismus- und Gewaltverherrlichung durch die Feuilletons der Republik. Obwohl Verhoevens Interpretation stark von der literarischen Vorlage abweicht, wurde auch Heinlein zeitlebens für seine 1958 erstmalig als Starship Soldiers fortlaufend publizierte Serie gescholten. Bis heute sorgt das Büchlein für hitzige Kontroversen ob der Kund gegebenen Thesen. Das mag auch daran liegen, unter welchem Blickwinkel der Leser Starship Troopers betrachtet: klassische Science-Fiction der Golden Age, politischer Kommentar oder Abenteuergeschichte.

Wegbereiter der modernen Science-Fiction

Vorweg bleibt eines unbestritten, Starship Troopers begründete die Military Science-Fiction und Heinlein gilt, neben Isaac Asimov und Arthur C. Clarke als einer der big three der modernen Science-Fiction (Dietmar Dath nennt ihn sogar zusammen mit H.G. Wells und Jules Verne einen der modernen „Geschichtsüberwinder“)i. Gleichwohl war Heinlein der erste Science-Fiction Autor, der über die Pulp-Magazine hinauskamii und die Science-Fiction salonfähig machte. Er steuerte die Science-Fiction von den auf dem amerikanischen Fortschrittsmythusiii basierenden Weltraumschlachten und tendenziöser Wissenschaftlichkeit hin, zu dem wie sich die Zukunft darstellen könnte.iv Kurzum: Er erfand die moderne Science-Fiction.v

Dokumentation als Bildungsroman

Die eigentliche Erzählung von Starship Troopers ist banal und schnell zusammengefasst, fehlen ihr doch wesentliche Elemente einer auf Unterhaltung und Spannung angelegten Handlung. Es gibt keine Romantik, keinen Sex, Rico hat keinen Gegenspieler, es gibt nur wenige wichtige Charaktere, seitenlange Abhandlungen über militärische Doktrin, Verwaltung, Taktik, Politik und theoretisch-philosophischer Einlassungen lassen Starship Troopers in weiten Strecken mehr als eine Dokumentation, denn als Roman erscheinen. Sein Buch gilt denn einigen Rezipienten als Bildungsroman.

Vom Gefreiten zum Leutnant

Der Philippino Juan „Johnny“ Rico erzählt memoirenhaft aus der Ich-Perspektive seine militärische Karriere, seine Erlebnisse im Krieg und erklärt das politische und gesellschaftliche System seiner Gegenwart. Das Buch beginnt mit der Schilderung einer Kommandomission und schlägt dann den Bogen zur Schulzeit. Durch seinen Kumpel mitgerissen, meldet sich der 18-jährige Rico nach bestandenem Abitur zum Militärdienst und landet bei der M.I., der Mobilen Infanterie, einer Teilstreitkraft, die so gar nicht Ricos Präferenzen entspricht. Für Rico ist der (freiwillige) Militärdienst der einzige Weg, nach dem Ende der Dienstzeit das Wahlrecht zu erhalten. Sein Vater ist von dieser (Berufs-)Wahl alles andere als begeistert, bricht er daraufhin den Kontakt zu seinem Sohn ab.

Obwohl die Ausbildung hart ist, nur Einzehntel der Rekruten übersteht diese, kommen Rico erst spät Zweifel an seiner Entscheidung. Ein Brief seines Lehrers in Moralphilosophie überzeugt, ihn bei der M.I. zu verbleiben und seine Dienstzeit abzuleisten. Wenig später zerstören die Archanoiden („Bugs“) Buenos Aires, dabei kommt Ricos Mutter ums Leben. Als Gefreiter nimmt er an verschiedenen Kampfeinsätzen teil, bevor er sich während eines Landurlaubes auf dem geheimen Planeten Sanctuary für die Offizierslaufbahn meldet. Dies beschließt er, als er im Militär seine Heimat erkennt. Bevor er sein Offizierspatent erhält, muss Rico als Fahnenjunker an einer Mission teilnehmen, deren Zweck es ist, einen „Brain-Bug“ dingfest zu machen. Das Buch endet mit seinem ersten Einsatz als Leutnant.

Kampf als Teil der Erziehung

Heinlein schrieb Starship Troopers anfänglich als Jugendbuch, auch wenn es letztlich für Erwachsene veröffentlicht wurde, zielt Heinleins Intention auf die politische Erziehung.vi Heinlein beschreibt Ricos Reifeprozess, einen Prozess, der sich nur durch den Bundesdienstvii erreichen lässt. Identität und Loyalität werden im Militär geformt. Dies erinnert entfernt an Ernst Jüngers In Stahlgewittern,viii das Krieg zu einem inneren, das Bewusstsein schärfenden Erlebnis macht und den individuellen Überlebenskampf erlernen lässt. Heinleins Buch wird deshalb oft als Bildungsromanix charakterisiert.

Die Gegenwart als Geschichte der Zukunft

Das Lesen von Starship Troopers setzt Kenntnisse in amerikanischer Geschichte, der gesellschaftlichen Werte/des Grundkonsenses und der weltpolitischen Lage der 1950er Jahre voraus, andernfalls liegt der unreflektierte Faschismusvorwurf gegen Heinlein und sein Traktat schnell zur Hand – gerade aus deutscher Perspektive. In diesem Sinne ist Starship Troopers auch die Restrukturierung der Gegenwart als Geschichte, um sie dadurch zur Betrachtung frei(zu)geben.x Insbesondere die Science-Fiction der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts reflektierte den Ost-West-Konflikt.xi

Starship Troopers entsteht in einer der heißen Phasen des Ost-West-Konfliktes, in der Amerika das subjektive Gefühl hatte, den geopolitischen wie technischen Anschluss zu verlieren. China wird kommunistisch, die Sowjetunion überführt weite Teile Osteuropas in den eignen Herrschaftsbereich, testet die erste eigene Wasserstoffbombe (1955), schießt mit Sputnik den ersten künstlichen Trabanten ins All (1957) und der Koreakrieg endet unbefriedigend (1953). Chruschtschow fordert den Westen mit dem Berlinultimatum (1958) heraus und Fidel Castro übernimmt die Macht auf Kuba (1959).

Anschreiben gegen Amerikas Schwäche

Heinlein selbst konstatierte die Ursache dieser Schwäche in der Nachgiebigkeit Amerikas gegenüber den Sowjets. Er hegte, wie viele seiner Zeitgenossen, die Befürchtung, die Sowjetunion könne dieses Unvermögen für einen Überraschungsangriff oder eine Invasion ausnutzen. In Starship Troopers steht der Überraschungsangriff der Bugs auf Buenos Aires als Sinnbild für diese Angst und als Warnung vor dem Vernichtungspotenzial des Kommunismus.

Als Heinlein am 5. April 1958 eine Zeitungsanzeige des National Committee for a Sane Nuclear Policy liest, die einen unilateralen Stopp der Atombombentests propagiert, fühlt er sich in seinem Standpunkt bekräftigt. Starship Troopers ist die literarische Reaktion auf dieses Ansinnen und den konstatierten politisch-gesellschaftlichen Niedergang, steht gleichzeitig aber auch am Ende einer vom Ehepaar Heinlein erfolglos geführten Kampagne, die mit der Gründung der nach dem Kämpfer für die Individualrechte benannten „Patrick Henry League“ begann. Die Kampagne gegen den Stopp der Atombombentests brachte Heinlein viel Kritik ein, und verhinderte letztlich auch nicht das tatsächlich von 1959 bis 1961 zwischen Eisenhower und Chrustschow vereinbarte,xii 1961 dennoch von der UdSSR gebrochenen Moratorium.xiii

Kommunismus vs. Freiheit

Die Bugs sind eine kollektivistische Archanoiden-Gesellschaft, die in der dichotomisch-manichäisch skizzierten Welt des Robert Heinlein für den Kommunismus steht. Dem steht eine auf Freiheit und Selbstbestimmung basierende Menschheit (Amerika) gegenüber. Im Sinne Carl Schmitts sind die Bugs der absolute Feind.

Die von der Menschheit gegen die Bugs verteidigten Werte stimmen mit den klassisch-liberalen Werten des amerikanischen Gründungsmythos überein: Individualismus, Gleichheit, Freiheit, Schutz des Eigentums, Laissez-faire, Konstitutionalismus, Demokratie und den sich daraus ergebenden Ansichten zur Eigeninitiative, individueller Leistungsethik, Kapitalismus, freies Unternehmertum und Wettbewerb.

Beunruhigendes auch an der Heimatfront

Diesen Wertekonsens sieht Heinlein nicht nur durch äußere Bedrohung in Gefahr, sondern gewahrt ihn im Inneren stückweise außer Kraft gesetzt.xiv Die weitreichenden Eingriffe des amerikanischen Bundesstaates in die wirtschaftliche und soziale Sphäre infolge des New Deal, die Herausbildung eines militärisch-industriellen Komplexes, mit dem Staat als größtem wirtschaftlichen Akteur, und der erzwungene Konformismus im Zeitalter des McCarthyismus ließen eine gigantische Bürokratie entstehen, deren Regelungswut nicht nur Heinlein als Übel empfand, sondern die der Idee des liberalen Nachtwächterstaates diametral stehen. Statt selbst die Initiative zu ergreifen, ist das Individuum verleitet, sich auf Staatshilfe zu verlassen. Andererseits bedroht die Zusammenballung der Kapitalinteressen in der prosperierenden Wirtschaft und das Aufkommen einer anonymen Massengesellschaft die individuelle Selbstbestimmung.

Demgegenüber beklagt er den Verlust individueller Fähigkeiten. In Starship Troopers sind Mathematik und Wissenschaft deshalb essenziell für die Ausbildung der Soldaten. Wie das antike Vorbild der Spartaner oder der platonschen Wächter braucht ein Land Wissen und Fähigkeiten, um dem Feind entgegen treten zu können. Mit diesem Rekurs offenbart er das Unvermögen der USA, bei der Eroberung des Alls mit den Sowjets aufzuschließen. Heinleins Antwort ist einfach: Lernen und Aufbau einer Wissensgesellschaft!

Nur Waffen schützen

Es ist nur folgerichtig, wenn das Militär die einzige Institution darstellt, die die Menschen in dieser Situation schützen kann. Mit idealistischem und humanistischem Gerede ist für ihn die Auseinandersetzung nicht zu gewinnen.

Selbst was die militärische Taktik in Starship Troopers anbelangt, zeigen sich Parallelen zum Containment der Trumandoktrin und der Machtpolitik der Monroedoktrin. Die Bugs erobern Planeten, die Menschheit schlägt zurück. In der realen Welt der 1950er Jahre geschah nichts anderes. Der Westen verteidigte seine Werte nach dem Prinzip der Dominotheorie: Fällt ein Staat, dann fallen auch andere.xv Wer in dieser mehr oder weniger geografisch definierten Weltregion machtpolitisch das Sagen hat, der muss seine Macht dort auch ausüben, um auf Carl Schmitt zurückzukommen.

Heinleins Utopie

Ist Starship Troopers als unmittelbare politische Reaktion entstanden, verarbeitet er in dem Buch gleichwohl seine militärischen, politischen sowie gesellschaftlichen Ansichten, die er vermisst oder deren Dysfunktionalität ihn ärgert. Heinlein will die Schwächen des politischen und gesellschaftlichen Systems, der Normen offenlegen und seine Alternative, seine Utopie zeigen. Gleichberechtigung der Geschlechter und Rassen ist für ihn selbstverständlich, in den 1950er Jahren geradezu revolutionäre Thesen.xvi Dies offenbart, was zivilisatorische Tugend ist und was einen Bürger ausmacht.

Härte und Bestrafung in Erziehung und Justiz sind nach Heinlein der einzige Weg einen Menschen zum Guten zu erziehen. Diskussion, Therapie und die Ausweitung von Rechten führten seiner Annahme nach zu anschwellender Gewalt in der Gesellschaft. In seiner utopischen Gesellschaft gibt es keine Therapie und für bestimmte Vergehen gibt es nur den Strang. Dargestellt wird das in Starship Troopers am Fall des Soldaten Dillinger.

Verantwortungsbewusstsein als Staatsmaxime

Das Regierungssystem gleicht einer multiethnischen Meritokratie, die einer repräsentativen Demokratiexvii sehr nahe kommt, allerdings sind Bürger- und Individualrechte streng vom Wahlrecht getrennt. Letzteres muss sich jeder verdienen. Seine Idee dahinter ist, dass das Wahlrecht aus der Verantwortung entsteht, nur wer weiß, wofür er kämpft, sein Leben für diese Sache in die Wagschale geworfen hat, wer Pflicht- und Verantwortungsgefühl bewiesen hat, nur derjenige kann eine rationale politische Entscheidung treffen. Heinlein problematisierte den Verlust der Verbindung aus Verantwortung und Wahlentscheidung. „The people had been led to believe that they could simply vote for whatever they wanted… and get it, without toil, without sweat, without tears. Nothing of value is free. Even the breath of life is purchased at birth only through gasping effort and pain” (S. 93).

Meritokratische Prinzipien sind dabei in den USA Teil des Grundkonsenses. Die individuelle Leistungsethik ist Beispiel hierfür. Indes scheint dieser Konsens in den 1950er Jahren zu zerbrechen, weshalb Heinlein gegen den Verlust der Verbindung aus Wahlrecht und Verantwortung anschreibt. Wegen dieser Kompetenz- und Individualismusverehrung in Heinlein einen Vertreter des Libertarianismus zu sehen ist falsch.xviii

Anders als der klassische römische Legionär entschädigt der Staat die Veteranen nicht mit Land, sondern mit den vollen Bürgerrechten, dem passiven und aktiven Wahlrecht. Heinlein greift hier die Idee antiker Vorbilder auf: Die Spartaner waren die Vollbürger Spartas,xix deren Erziehung durch Abhärtung, Kampfsport, Disziplin und Verbot aller das leben erleichternden Bequemlichkeiten geprägt war. Ihre Ausbildung beinhaltete auch das Lesen und Schreiben. Platon nimmt in seinem idealen Staat Bezug darauf, indem er die Wächter als tragenden Stand ins Leben ruft, die gleichsam Seele und Körper ertüchtigen. Insofern folgt Platon, wie auch später Aristoteles, implizit meritokratischen Prinzipien.

Hauptsache, es funktioniert

Heinlein berichtet nicht viel über den Staat der Zukunft, schreibt sogar, dass die Föderation sich selbst nicht als perfekt betrachtet, aber es funktioniert. Schon Aristoteles war der Meinung, dass die beste Verfassung diejenige sei, in der sich jeder am besten verhält und glücklich ist.xx Auch Rom funktionierte, obgleich nicht perfekt, 500 Jahre lang, weil die Regierenden erkannt hatten, dass der Schlüssel im Verstehen von Rechten und Pflichten der Bürger lag. Übersetzt in Heinleins Utopie bedeutet dies wenig Staat und viel Autorität.

Heinlein war gegen die Wehrpflicht, weil der Zwangsdienst seinen Ansichten der Individualität entgegen läuft. Der Eintritt in den Bundesdienst ist sogar ein konstitutionell verbrieftes Recht. Wer eintreten will, muss aufgenommen werden. In Starship Troopers erscheint der Bundesdienst als genuin militärisch,xxi Heinlein stellte später klar, dass er darunter einen allgemeinen Dienst für die Regierung verstanden wissen will.xxii

Neue alte Ängste

Heinlein verliert nur wenige Worte über die Ursachen der Entstehung der Föderation. Er schreibt, dass die demokratischen Nationalstaaten gegen Ende des 20. Jahrhunderts unter dem Eindruck ihrer sozialen Missstände und der chinesischen Hegemonie zusammenbrachen. Entfernt erinnert dies an die huntingtonsche These vom „Clash of Civilaztions“xxiii und „The West versus the Rest“xxiv. Die Entstehung der Weltregierung erinnert im Fernen an die hegelsche Synthese. Aus den Antithesen Kommunismus und Massendemokratie ging etwas Neues hervor.

Krieg ist kein Selbstzweck

Wann der Krieg gegen die Bugs begann und warum er fortgeführt wird, spielt für Heinlein keine Rolle. Das ist ein Manko, denn derartiges Räsonnement wäre dem Buch nicht abträglich gewesen. Andererseits herrschte in den 1950er Jahren die Ansicht vor, Gewalt sei eine Lösung, um des Überlebens willen, zweifellos eine Nachwirkung des Zweiten Weltkrieges. Aber, und auch hier steht die Mentalität ganz unter antiken Vorzeichen: Si vis pacem para bellum („Wenn du Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor“). Heinlein sieht, als ehemaliger Marineoffizier ganz in clausewitzscher Tradition stehend, den Krieg als Fortführung der Politik mit anderen Mitteln. Anders ist die Aussage, „Krieg ist kontrollierte Gewalt für einen Zweck“ nicht zu interpretieren.

Manipulation und Kontrolle durch Drogen

Was beim Lesen der Sekundärliteratur auffällt ist, dass die Rolle von Hypnose und Drogen in der Rezeption kaum Beachtung findet. Heinlein stellt dies als Notwendigkeit zur Steigerung der Effizienz dar, ist aber auch gleichzeitig eine Erklärung dafür, weshalb Rico sein Tun nicht kritisch reflektiert, es im Gegenteil gutheißt und begründet. Moralische Bedenken, Fehlanzeige! Drogen und Hypnose sind ein Mittel der Kontrolle und Steuerung, die bereits in der Geschichte des Krieges Anwendung fand und später auf beiden Seiten der politischen Blöcke seltsame Experimente zeitigte.

Heinlein, der Faschist?

Heinlein wird wechselweise als faschistisch, militaristisch, reaktionär, konservativ, liberal oder libertär, bezeichnet, gleichzeitig finden sich in Starship Troopers zahlreiche Bezugnahmen auf die politischen Theorien von Platon, Aristoteles, Thomes Hobbes, Carl Schmitt, Niccolo Macchiavelli, John Locke oder Jean-Jacques Rousseau sowie Thomas Paine. Allein die Tatsache, dass Nationalität und Ethnie in Starship Troopers keine Rolle spielen, jeder Bürgerrechte besitzt und die Bedeutung der individuellen Freiheitsrechte des Menschen hochgehalten werden, relativieren den Faschismusvorwurf. Ohnehin ist allein schon der Faschismusbegriff schwer zu fassen.xxv Gleichwohl ist ein hochgradig ideologisierter Kampfbegriff, historisch determinierter Gattungsbegriff und länderspezifisch konnotierter Sammelbegriff wenig geeignet dieses Buch zu beschreiben.

Heinlein, der Libertäre?

Heinlein als Libertären par excellence zu bezeichnen, nur weil die libertäre Bewegung Bezug auf ihn nimmtxxvi, trifft nicht den Kern seines Schaffens. In seinem Werk finden sich Anspielungen auf die verschiedensten politischen Ideologien. Im Grunde vertritt Heinlein aber die klassischen amerikanischen Werte der Gründerzeit, die durch liberale Ansichten geprägt sind. Da Heinlein das Militär hochschätzte und, ganz amerikanisch, Waffen, auch nukleare, für notwendig hielt, deshalb Gewalt nicht gänzlich ablehnte, kann er kein Libertärer gewesen sein, denn nach deren Anschauung, dürfen Waffen nicht gegen Menschen eingesetzt werden. Gewalt und Krieg sind bei Heinlein jedoch eine existentielle, anthropologische Grundkonstante.

Fazit: Typisch amerikanisch

Will man Heinleins Werk im Allgemeinen und Starship Troopers im Speziellen in einem Satz zusammenfassen, ist eine Erkenntnis von Robert Scholes und Eric S. Rabkin am Besten dazu geeignet, indem Sie Heinlein als „the most typically American writer in all the rankes of science fiction“xxvii bezeichnen. Heinlein zeichnet sich durch den spezifischen amerikanischen Patriotismus und den Bezug auf klassische amerikanische Wertvorstellungen aus, weshalb ihm bereits in den 1940er Jahren nachgesagt wurde, er schreibe die zukünftige amerikanische Geschichte.

Quellen und Literatur

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  • Brodocz, André; Gary S. Schaal: Politische Theorien der Gegenwart I.
  • Cox, Patrick: Robert A. Heinlein: A Conservative View of the Future. In: The Wall Street Journal, 10.12.1985. (Link)
  • Dath, Dietmar: Mondbesiedlung. Luna, die strenge Geliebte. In: FAZ vom 12.01.2004.
  • Dath, Dietmar: Robert A. Heinlein. Er konnte alles außer irdisch. In: FAZ vom 07.07.2007
  • de Sousa Causo, Roberto: Citizenship at War. Übersetzung aus dem portugiesischen: Carlos Angelo. In: O Jornal da Tarde vom 21.02.1998. (Link)
  • Fenske, Hans; Dieter Mertens; Wolfgang Reinhard; Klaus Rosen: Geschichte der politischen Ideen: Von der Antike bis zur Gegenwart.
  • Geib, Richard: STARSHIP TROOPERS by Robert A. Heinlein an opinion. (Link)
  • Gifford, James: The Nature of “Federal Service” in Robert A. Heinlein’s Starship Troopers. 1996 (Link)
  • Harbach, Thomas: Hardy Kettlitz: SF Personality 20 Robert A. Heinlein. (Link)
  • Jürgens, Dirk M.: “Starship Troopers”-Doppelreview. In: Weird Fiction vom 08.07.2010. (Link)
  • Krausser, Helmut: Faschismus light im Weltall. Paul Verhoevens Sternenkriegsfilm „Starship Troopers“ ist ein frivoles Meisterwerk. In: Der Spiegel, 5/1998, S. 179.
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  • Loth, Wilfried: Helsiniki, 1. August 1975. Entspannung und Abrüstung. München 1998.
  • McGiveron, Rafeeq O.: "Starry-eyed internationalists" versus the Social Darwinists: Heinlein's transnational governments. In: in Extrapolation, 1999. (Link)
  • Medosch, Armin: Starship Troopers. Pulp SciFi im Look der dreißiger Jahre. Telepolis vom 20.01.1998. (Link)
  • Miller, John J.: Centenary a modern sci-fi giant. In: National Review Magazine vom 30.06.2007. (Link)
  • Mühlbauer, Peter: Das Recht auf Unglück. Teil 4: Von utopischen Dystopien und dystopischen Utopien. In: Telepolis vom 15.03.2001. (Link)
  • Mühlbauer, Peter: Final Frontiers. Teil 3: Die Rolle der Science Fiction in der Entwicklung libertärer Ideologie. In: Telepolis vom 31.01.2001. (Link)
  • Narveson, Jan: Libertarianismus: Eine Philosophische Einführung. Übersetzung: Peter Kopf. In: Aufklärung und Kritik 2/2004, S. 5-37.
  • Neumann, Franz (Hrsg.): Handbuch politische Theorien und Ideologien, 1+2.
  • Panshin, Alexei: Heinlein in Dimension: A Critical Analysis. Chicago: Advent Publishers 1968.
  • Patterson, William H.: Robert A. Heinlein. A biography. (Link)
  • Perniciaro, Leon: Shifting Understandings of Imperialism: A Collision of Cultures in Starship Troopers and Ender's Game. University of New Orleans Theses and Dissertations. Paper 1338. New Orleans 2011.
  • Riggenbach, Jeff: Was Robert A. Heinlein a Libertarian? (Link)
  • Robinson, Spider: Rah, Rah, R. A. H.! Veröffentlichung ursprünglich 1980. (Link)
  • Smith, L. Neil: Robert Heinlein Remembered. In: Fall/Winter 1988 issue of NOMOS. (Link)
  • Weuve, Christopher: Thoughts on Starship Troopers. (Link)
  • Wooster, Martin Morse: Heinlein’s Conservatism. In: NATIONAL REVIEW ONLINE vom 25.10.2010. (Link)

Fußnoten

i Dietmar Dath: Er konnte alles außer irdisch

ii Jeff Riggenbach: Was Robert A. Heinlein a Libertarian?

iii Armin Medosch: Starship Troopers. Pulp SciFi im Look der dreißiger Jahre.

iv Martin Morse Wooster: Heinlein’s Conservatism.

v Spider Robinson: Rah, Rah, R. A. H.!

vi Richard Geib: "STARSHIP TROOPERS" by Robert A. Heinlein an opinion.

vii James Gifford: The Nature of “Federal Service” in Robert A. Heinlein’s Starship Troopers

viii Ernst Jünger: In Stahlgewittern. 1920

ix Leon Perniciaro: Shifting Understandings of Imperialism: A Collision of Cultures in Starship Troopers and Ender's Game.

x Frederic Jameson: Progress versus Utopia. Erwähnt in Peter Mühlbauer: Das Recht auf Unglück. Teil 4: Von utopischen Dystopien und dystopischen Utopien.

xi Perniciaro: Shifting

xii Eisenhower vereinbarte das Moratorium entgegen dem Rat der Atomenergiekommission und der Militärs, die ein Einfrieren der atomaren Rüstungstechnik befürchteten.

xiii Vgl. John J. Miller: Centenary a modern sci-fi giant; William H. Patterson: Robert A. Heinlein. A biography. http://www.heinleinsociety.org/rah/biographies.html

xiv Roberto de Sousa Causo: Citizenship at War.

xv Perniciaro: Shifting

xvi Patrick Cox: Robert A. Heinlein: A Conservative View of the Future.

xvii Christopher Weuve: Thoughts on Starship Troopers.

xviii So z.B. Dath: Luna, die strenge Geliebte.ml

xix Richard Geib: "STARSHIP TROOPERS" by Robert A. Heinlein an opinion.

xx Aristoteles: Politik, 7, 1324 a 23-25

xxi Gifford: Nature

xxii Robert A. Heinlein: Expanded Universe. New York: Ace Books 1980.

xxiii Samuel P. Huntington: The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order. Simon & Schuster, New York 1998.

xxiv Samuel P. Huntington: The Clash of Civilizations? In: Foreign Affairs, Summer 1993, S. 39.

xxv Klaus Fritzsche: Faschismustheorie. In: Franz Neumann (Hrsg.): Handbuch politische Theorien und Ideologien 1.

xxvi http://ef-magazin.de/2006/12/18/richtungsdebatte-fur-einen-linken-libertarismus; Riggenbach: Libertarian?

xxvii Robert Scholes and Eric S. Rabkin: Science Fiction: History, Science, Vision. New York: Oxford UP. 1977. Zitiert in: Rafeeq O. McGiveron: "Starry-eyed internationalists" versus the Social Darwinists: Heinlein's transnational governments. In ähnlicher Richtung äußert sich auch Dath: irdisch. „Er war unter den amerikanischen schriftstellern der Epoche wohl nicht der größte, aber unter den unbestreitbar Großen sicher der amerikanischste“.

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