Posts Tagged ‘Atemschutz’

Alternative Möglichkeit der Selbstrettung

Montag, Dezember 14th, 2015

Rezension von Anleiterbereitschaft aus der Reihe Die roten Hefte

Buchcover Die roten Hefte 226 Anleiterbereitschaft

Mit den recht deutlichen Worten „it sucks to find yourself 30 feet above and no stairs are able to be reached and 5 ground ladders are sitting pretty on a truck!“ bringt Captain Dan Hoey von der freiwilligen Feuerwehr Saegertown, Pennsylvania/USA die einsatztaktische Notwendigkeit der Anleiterbereitschaft (ALB) zum Ausdruck.

Das taktische Konzept ist keineswegs neu und im Internet auf verschiedenen Ausbildungsplattformen präsent. Im deutschsprachigen Raum fand 1999 eine erste Beschreibung statt, die 2007 in der Initiative „A Stairway to Safety“ mündete, aber, so konstatieren die Autoren im Vorwort, „eine flächendeckende Verbreitung … hat … nicht stattgefunden“ (S. 5). Aus diesem Grund entschlossen sich Nils Beneke und Jan Ole Unger vom Ausbildungsportal drehleiter.info das Konzept der Anleiterbereitschaft in einem „Roten Heft – Ausbildung kompakt“ aufzugreifen und bekannter machen.

(weiterlesen…)

Feuer und Rauch lesen lernen

Mittwoch, Dezember 18th, 2013

Buchbesprechung von Brandbekämpfung im Innenangriff aus der Reihe Einsatzpraxis

Buchcover BrandbekämpfungIn gewohnt kritischer aber sachlich fundierter Art und Weise bereiten die Autoren des Bandes „Brandbekämpfung im Innenangriff“ eine komplexe und mit vielen Fehldeutungen behaftete Angelegenheit verständlich und praxisrelevant auf.

Schwere Brände in Gebäuden nehmen zwar insgesamt ab, gleichzeitig ist eine neue, gefährliche qualitative Veränderung festzustellen, die von den Feuerwehren tieferes Wissen über die chemisch-physikalischen Vorgänge im Brandraum und folglich eine optimale taktische Reaktion erfordert. Viele der Aspekte, welche die Autoren ausführlich beschreiben, müssen sich einige Feuerwehren erst bewusst machen, und ihre Ausbildung und Taktik entsprechend anpassen und ergänzen. Intention der Autoren ist es daher, dem „Halb- und Unwissen“ in den Feuerwehren in puncto Innenangriff und der dort auftretenden Brandphänomene zu begegnen, dabei gleichzeitig den Stand der Wissenschaft und Technik darzustellen und die Begrifflichkeiten eindeutig und nachvollziehbar zu operationalisieren.

(weiterlesen…)

Stichpunkte für die Hosentasche

Donnerstag, Juli 4th, 2013

Buchbesprechung von Frank Gerhards und Guido Volkmars Quickcheck Atemschutz-Notfallmanagement

quickcheck_antEin derart umfassendes und komplexes Thema, wie die Vorbereitung auf und die Abarbeitung eines Atemschutznotfalls in einer Kurzübersicht zum schnellen Nachlesen abzufassen, versuchen die Autoren Frank Gerhards und Guido Volkmar in dem Ringheft „Quickcheck Atemschutz-Notfallmanagement“.

Das laminierte Ringheft ist stabil, verträgt demzufolge Schmutz, Feuchtigkeit und robuste Lagerung. Die kompakten Abmessungen machen es zu einem exzellenten Begleiter, der in jede Hosen- oder Jackentasche einer Feuerwehruniform passt.

(weiterlesen…)

Kein Schwitzen in der Sonne

Donnerstag, Juli 4th, 2013

Schweißtreibendes Training für Atemschutzgeräteträger

Als Übungsdienstorganisator hat man es in diesen Tagen alles andere als leicht: Sommer, Sonne, Sonnenschein lassen die Kameraden die Prioritäten fernab der Feuerwehr setzen, gerade dann, wenn der Dienstplan ein schweißtreibendes Thema prophezeit.

Für mich als Organisator bedeutet dies, dass ich kaum weiß, mit wie vielen Kameraden ich an einem Dienst zu rechnen habe. Nachdem ich in den vergangenen Monaten selbst einige Male „böse auf die Fresse gefallen bin“, weil sich das Übungsszenario mit zu wenig Personal nicht realisieren ließ, musste eine skalierbare Übung her, ein Szenario dass sich mit viel, wie auch mit wenig Personal durchführen lässt. Zugleich sollten alle Kameraden mit ihren unterschiedlichen Qualifikationen eingebunden werden.

(weiterlesen…)

Seid ihr ehrlich zu euch selbst?

Freitag, November 16th, 2012

Der Funkwecker reist euch aus dem Schlaf, automatisch richtet ihr euch in eurem Bett auf, springt auf den Fußboden, hastet zu eurer Garderobe, zieht euch an, während die Durchsage in eurem Funkalarmempfänger Art der Alarmierung, Ort und weitere Einsatzhinweise durchgibt. Der Puls geht mit dem ersten Ertönen der Fünftonfolge nach oben und die Einsatzmeldung pumpt Adrenalin in euren Körper. Treppe runter, auf dem Rad oder auf den Sohlen zum Feuerwehrhaus, dort angekommen, rüstet ihr euch an eurem Spind aus, greift Helm, Koppel und Jacke und stürzt auf das Fahrzeug. Geschafft, ihr sitzt auf dem Platz eines Atemschutzgeräteträgers, ihr ward ein Ticken schneller als der Kamerad hinter euch. Tja, der schnellere ist der bessere, denkt ihr. Motor an, Fanfaren an, raus aus dem Stall, ab ins Einsatzgetümmel. Hirn dabei?

(weiterlesen…)

Rezension “Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz”

Donnerstag, November 3rd, 2011

Eigenverantwortung ist durch nichts zu ersetzen

(sc). Es kommt selten vor, dass das Vorwort eines Buches den wesentlichen Inhalt bzw. dessen Intention so komprimiert, pointiert und ermahnend wiedergibt, wie dies Lars Lorenzen im Roten Heft Nr. 95 „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ darlegt.

Lorenzen formuliert die Intention seiner Schrift mit folgender These: „Neben einer Sicherheitstruppstrategie ist es zumindest ebenso wichtig, die Sinne aller Einsatzkräfte für eine erfolgreiche Unfallprävention im Atemschutzeinsatz zu schärfen.“ Anders formuliert, heißt dies, dass auch die beste Sicherheitstrupptaktik nicht die Grundlagen des Atemschutzeinsatzes ersetzt.

Diese Grundlagen, oder das Grundlagenwissen, bilden im Prinzip das Thema Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz. Denn nur das Beherrschen derselben vermeidet oder unterbricht eine Fehlerkette.

Lorenzen kategorisiert die Unfallfaktoren in fünf Aspekte – der sechste ist die Fehlerkette selbst. In seinen Ausführungen nimmt der Faktor „Mensch“ den größten Teil ein. Insbesondere verweist er immer wieder auf die in der Feuerwehrdienstvorschrift (FwDV) 7 formulierten Einsatzgrundsätze, die, trotz aller Kritik an der FwDV 7, deutlich zur Risikominimierung, und damit Unfallverhütung beitragen. Die weiteren Unfallfaktoren, Technik, Mission, Management und äußere Einflüsse legt er jeweils in eigenen Kapitel dar.

Doch auch wenn die menschlichen Fehlerquellen überwiegen – wie Lorenzen unter Rückgriff auf die Fehlerforschung in der Luftfahrt zeigt – gibt es eine ganze Menge, sich wiederholende technische Fehlerfaktoren, wie z.B. die falsche Fortbewegungsmethode, die Thematik Schutzkleidung oder die falsche Verlastung von Atemschutzgeräten. Dennoch – und dies betont Lorenzen mehrfach unter Verweis auf die FwDV 7 – Atemschutzgeräteträger handeln grundsätzlich eigenverantwortlich.

Andere Aspekte, wie der Einsatz selbst („Mission“) oder äußere Einflüsse, lassen sich zwar nicht kontrollieren, jedoch unter Zuhilfenahme, z.B. der Gefahrenmatrix, im Risiko minimieren.

Fehler der Führung – Lorenzen umschreibt dies mit dem Wort Management, um alle Führungs- und Verwaltungsebenen zu erfassen – lässt der Autor nicht unerwähnt, denn auch diese Entscheidungen sind Teil einer Fehlerkette und wirken auf die Unfallverhütung zurück.

Als Teil des Managments lässt sich indes auch die Atemschutzüberwachung (ASÜ) begreifen, auf die der Autor jedoch in einem eigenen Kapitel eingeht. Wohl deshalb, weil die ASÜ noch immer eine Stiefmutterdasein fristet. Lorenzen stellt nicht nur die Aufgaben der ASÜ dar, sondern – und das ist zentral – er zeigt die Irrelevanz einer rein zeitbasierten Überwachung. In dem Kontext mahnt er dann die obligatorische Festlegung des Rückzugdruckes an.

Das Thema Handhabung von Atemschutzgeräten greift Lorenzen explizit in einem eigenen Kapitel auf – auch hier betont Lorenzen die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Atemschutzgeräteträger.

Abschließend fordert Lorenzen indirekt eine zentrale Meldestelle für Atemschutzunfälle, er gibt aber auch Vorschläge, die zu einer Verbesserung der Qualität führen können. Hier nennt er erneut den Bereich Luftfahrt als Vorbild.

Mit dem Buch „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ stellt Lorenzen in kompakter und übersichtlicher Weise die wichtigsten Aspekte bzw. häufigsten Fehler aus dem Bereich der Unfallverhütung im Bereich Atemschutz dar. Er bedient sich dazu zahlreichen Beispielen, Grafiken, Bilderserien, teilweise humoristisch formuliert. Deutlich sichtbar ist auch die in dem Buch verarbeitete Ausbildungs- und Einsatzerfahrung des Hamburger Brandamtmannes.

Der Wert des Buches liegt weniger in der Darlegung innovativer Konzepte, sondern in der kurzen lockeren und kompakten Darstellung von Themen, die aus der Atemschutzausbildung bekannt sein sollten. Dieser Darstellungsstil erleichtert die Rezeption außerordentlich, und macht das Buch für die Atemschutzgeräteträgerausbildung und -fortbildung nützlich.

Lorenzens Buch ist damit eine Pflichtlektüre für alle Atemschutzgeräteträger und Atemschutzausbilder sowie alle anderen mit dem Aspekt Atemschutz befassten Aufgabenbereiche, die eine Wiederauffrischung ihres Wissens und besonders eine Erinnerung an das Thema Eigenverantwortung benötigen. (Autor: Stefan Cimander)

Lars Lorenzen: Die roten Hefte Nr. 95: Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz, 1. Aufl., Stuttgart 2011: Kohlhammer Verlag. 102 S.: Ill., graph. Darst.

Diese Rezension erschien auch auf dem Internetportal www.innenangriff.com.

LIVE 2009 in Eppstein

Montag, April 27th, 2009

Am vergangenen Wochenende war ich als Fachjournalist für das FWNetz auf dem Kongress atemschutzunfaelle.eu LIVE 2009. Es war nicht nur aus journalistischer, sondern auch aus persönlicher Sicht ein sehr interessanter Vortragstag.

Referenten und Team

Untergebracht war ich in der „LIVE WG“ – der Ferienwohnung des Teams vom atemschutzunfaelle.eu, was für mich den Vorteil hatte, nah dran zu sein und ich musste mir keine Gedanken darüber machen, wie ich von A nach B komme.

Natürlich hatte ich abseits des Kongresses bei einigen Kaltgetränken die Gelegenheit, mit dem ein oder anderen Teilnehmer oder Referenten über die Probleme der (Freiwilligen) Feuerwehr zu reden. Mit meinen Ansichten liege ich nicht ganz so falsch, wie ich bisher immer dachte. Egal ob es mangelhafte Ausbildung, unmotivierte Feuerwehrangehörige, Elitedenken, inkompetente Führungskräfte und Geldmangel war, in nahezu jeder Gemeinde scheint es die gleichen Probleme zu geben.

Jan Südmersen

Besonders krass, man verzeihe mir den Ausdruck, sieht es aus, wenn (kritische) Feuerwehrangehörige diese Probleme erkennen und offen ansprechen. Kritik und Innovation sind in der deutschen Feuerwehr nämlich nicht willkommen! Das führt dann ausgerechnet dazu, dass kompetente Leute die Feuerwehr verlassen oder sich in die innere Migration zurückziehen, sprich „die Klappe halten“. Über die Konsequenzen dessen muss ich wohl keine Worte verlieren.

Eigentlich wollte ich den Fachartikel über den Kongress schon weitgehend am Sonntagabend fertig gestellt haben. Wie gesagt, eigentlich. Uneigentlich bin ich noch nicht über einleitende Sätze hinausgekommen. Es ist gar nicht so einfach, derart viele Informationen in einen kurzen knackigen Text zu packen. Ich habe inzwischen davon Abstand genommen, jeden Vortrag zusammenzufassen, denn das ist einerseits sehr aufwendig, andererseits würde es diesen Text sehr lang machen. Mein Ziel ist es nun die Quintessenz der Vorträge zu erfassen und auf die eigentlichen Probleme im Atemschutzeinsatz hinzuweisen. Als Stichpunkte existieren diese Aspekte bereits.

An dieser Stelle sei auch dem Team von atemschutzunfaelle.eu für die kostenlose Unterbringung gedankt. Ebenfalls ein großes Dankeschön geht an die Referenten für die gelungen Vorträge, die, um es in den Worten von Jan Südmersen auszudrücken, leider vor den falschen Adressaten gehalten wurden!