Posts Tagged ‘Ausbildung’

Nicht mehr jede Feuerwehr wird alles leisten können

Dienstag, März 21st, 2017

Rezension von Cimolino et al. Brandbekämpfung in besonderen Lagen

„(N)icht (mehr) jede Feuerwehr (wird) alles machen oder leisten können“ (S. 9), schreiben die Autoren zu Beginn der SER. Keineswegs wollen die Autoren damit die Legitimität einiger Feuerwehren infrage stellen, sondern sie zeigen, dass es „besondere Lagen“ gibt, die spezielle Taktiken und vor allem spezialisierte Geräte benötigen, um deren Herr zu werden. Besondere Lagen operationalisieren Cimolino et al. hinsichtlich des schwierigen Zugangs zum Brandherd, der Brandbekämpfungsdauer im Verhältnis zur Brandgröße und der örtlich nicht begrenzten Wahrscheinlichkeit des Auftretens.

Verschiedene Brandbekämpfungsmethoden und –techniken stellen die Autoren mit ihren Vor- und Nachteilen vor. Dabei leiten sie schnell über zu spezialisierten, über den Alltag hinausgehende Methoden, und hier insbesondere dem COBRA-System, welches in Deutschland eher als Schneid- denn als Löschsystem angesehen wird, gleichzeitig ist aber diese Doppelfunktion für die Brandbekämpfung von enormem Vorteil.

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Kein Rohr wie jedes andere

Freitag, Februar 17th, 2017

Rezension von de Vries‘ Einsatz von D-Leitungen

Buchcover Holger de Vries: Einsatz von D-Leitungen. Ausbildung und Praxis. Aus der Reihe: Fachwissen Feuerwehr. Landsberg am Lech: ecomed Sicherheit 2016, 120 Seiten, Softcover, ISBN 978-3-609-69807-6, 12,99.-

Fast mag der geneigte Fachleser irritiert fragen, wie es möglich (und ob es sinnvoll) ist, über das D-Rohr weit über hundert Seiten zu schreiben, doch schon im Vorwort stellt de Vries klar, dass das D-Rohr in den deutschen Feuerwehren stark unterschätzt wird und sich sein Nutzen erst langsam in der Praxis zu zeigen beginnt – ganz im Gegensatz zu anderen Ländern (und der deutschen Vergangenheit). Ausgehend von fehlender Ausbildungsliteratur über das D-Rohr will de Vries eine Lücke schließen und bietet mit dem Buch „Einsatz von D-Leitungen. Ausbildung und Praxis“ aus der Reihe Fachwissen Feuerwehr eine Abhandlung „in ingenieurswissenschaftlicher Qualität“ (S. 5) an.

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Wer die Wärme liebt, muss den Rauch dulden

Donnerstag, Dezember 4th, 2014

Übungsbeispiele und –ideen für die Ausbildung an und mit der Wärmebildkamera

Feuerwehrmann als optisches Bild und Darstellung im Display einer WBK Feuerwehrmann als optisches Bild und Darstellung im Display einer WBK.

Die zunehmende Verbreitung von Wärmebildkameras (WBK) in Deutschland zeigt, dass die Feuerwehren die zahlreichen Appelle aufgenommen und verinnerlicht haben. Der erste, und wohl schwierigste Schritt, das Gerät überhaupt erst einmal zur Verfügung zu haben, scheint vielerorts getan. Scheint deshalb, weil es bei diesem einen Schritt nicht bleiben darf. Eine Wärmebildkamera ist kein Wundergerät: Ihr Vorhandensein an der Einsatzstelle ersetzt nicht gebräuchliche und gewohnte Taktiken, sie löscht keine Brände, ihre Bilder zeigen eine andere Realität als die des menschlichen Auges. Dies muss sich jeder Anwender immer ins Gedächtnis rufen. Die WBK ergänzt „unser Geschäft“ dennoch optimal. Damit diese Ergänzung die Zielerreichung erhöht, den Einsatzablauf effizienter macht und letztlich die Sicherheit für Mannschaft wie Betroffene erhöht, bedarf es einer entsprechenden Unterweisung, einer praktischen Ausbildung an und mit dem Gerät. Nur wer ihre Vor- und Nachteile, die Einsatzgrenzen und Eigenheiten kennt, vermag die WBK effektiv und richtig im Einsatz zu führen. Das ist der zweite Schritt.

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Rezension “Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz”

Donnerstag, November 3rd, 2011

Eigenverantwortung ist durch nichts zu ersetzen

(sc). Es kommt selten vor, dass das Vorwort eines Buches den wesentlichen Inhalt bzw. dessen Intention so komprimiert, pointiert und ermahnend wiedergibt, wie dies Lars Lorenzen im Roten Heft Nr. 95 „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ darlegt.

Lorenzen formuliert die Intention seiner Schrift mit folgender These: „Neben einer Sicherheitstruppstrategie ist es zumindest ebenso wichtig, die Sinne aller Einsatzkräfte für eine erfolgreiche Unfallprävention im Atemschutzeinsatz zu schärfen.“ Anders formuliert, heißt dies, dass auch die beste Sicherheitstrupptaktik nicht die Grundlagen des Atemschutzeinsatzes ersetzt.

Diese Grundlagen, oder das Grundlagenwissen, bilden im Prinzip das Thema Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz. Denn nur das Beherrschen derselben vermeidet oder unterbricht eine Fehlerkette.

Lorenzen kategorisiert die Unfallfaktoren in fünf Aspekte – der sechste ist die Fehlerkette selbst. In seinen Ausführungen nimmt der Faktor „Mensch“ den größten Teil ein. Insbesondere verweist er immer wieder auf die in der Feuerwehrdienstvorschrift (FwDV) 7 formulierten Einsatzgrundsätze, die, trotz aller Kritik an der FwDV 7, deutlich zur Risikominimierung, und damit Unfallverhütung beitragen. Die weiteren Unfallfaktoren, Technik, Mission, Management und äußere Einflüsse legt er jeweils in eigenen Kapitel dar.

Doch auch wenn die menschlichen Fehlerquellen überwiegen – wie Lorenzen unter Rückgriff auf die Fehlerforschung in der Luftfahrt zeigt – gibt es eine ganze Menge, sich wiederholende technische Fehlerfaktoren, wie z.B. die falsche Fortbewegungsmethode, die Thematik Schutzkleidung oder die falsche Verlastung von Atemschutzgeräten. Dennoch – und dies betont Lorenzen mehrfach unter Verweis auf die FwDV 7 – Atemschutzgeräteträger handeln grundsätzlich eigenverantwortlich.

Andere Aspekte, wie der Einsatz selbst („Mission“) oder äußere Einflüsse, lassen sich zwar nicht kontrollieren, jedoch unter Zuhilfenahme, z.B. der Gefahrenmatrix, im Risiko minimieren.

Fehler der Führung – Lorenzen umschreibt dies mit dem Wort Management, um alle Führungs- und Verwaltungsebenen zu erfassen – lässt der Autor nicht unerwähnt, denn auch diese Entscheidungen sind Teil einer Fehlerkette und wirken auf die Unfallverhütung zurück.

Als Teil des Managments lässt sich indes auch die Atemschutzüberwachung (ASÜ) begreifen, auf die der Autor jedoch in einem eigenen Kapitel eingeht. Wohl deshalb, weil die ASÜ noch immer eine Stiefmutterdasein fristet. Lorenzen stellt nicht nur die Aufgaben der ASÜ dar, sondern – und das ist zentral – er zeigt die Irrelevanz einer rein zeitbasierten Überwachung. In dem Kontext mahnt er dann die obligatorische Festlegung des Rückzugdruckes an.

Das Thema Handhabung von Atemschutzgeräten greift Lorenzen explizit in einem eigenen Kapitel auf – auch hier betont Lorenzen die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Atemschutzgeräteträger.

Abschließend fordert Lorenzen indirekt eine zentrale Meldestelle für Atemschutzunfälle, er gibt aber auch Vorschläge, die zu einer Verbesserung der Qualität führen können. Hier nennt er erneut den Bereich Luftfahrt als Vorbild.

Mit dem Buch „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ stellt Lorenzen in kompakter und übersichtlicher Weise die wichtigsten Aspekte bzw. häufigsten Fehler aus dem Bereich der Unfallverhütung im Bereich Atemschutz dar. Er bedient sich dazu zahlreichen Beispielen, Grafiken, Bilderserien, teilweise humoristisch formuliert. Deutlich sichtbar ist auch die in dem Buch verarbeitete Ausbildungs- und Einsatzerfahrung des Hamburger Brandamtmannes.

Der Wert des Buches liegt weniger in der Darlegung innovativer Konzepte, sondern in der kurzen lockeren und kompakten Darstellung von Themen, die aus der Atemschutzausbildung bekannt sein sollten. Dieser Darstellungsstil erleichtert die Rezeption außerordentlich, und macht das Buch für die Atemschutzgeräteträgerausbildung und -fortbildung nützlich.

Lorenzens Buch ist damit eine Pflichtlektüre für alle Atemschutzgeräteträger und Atemschutzausbilder sowie alle anderen mit dem Aspekt Atemschutz befassten Aufgabenbereiche, die eine Wiederauffrischung ihres Wissens und besonders eine Erinnerung an das Thema Eigenverantwortung benötigen. (Autor: Stefan Cimander)

Lars Lorenzen: Die roten Hefte Nr. 95: Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz, 1. Aufl., Stuttgart 2011: Kohlhammer Verlag. 102 S.: Ill., graph. Darst.

Diese Rezension erschien auch auf dem Internetportal www.innenangriff.com.