Posts Tagged ‘Literatur & Rezension’

Nicht mehr jede Feuerwehr wird alles leisten können

Dienstag, März 21st, 2017

Rezension von Cimolino et al. Brandbekämpfung in besonderen Lagen

„(N)icht (mehr) jede Feuerwehr (wird) alles machen oder leisten können“ (S. 9), schreiben die Autoren zu Beginn der SER. Keineswegs wollen die Autoren damit die Legitimität einiger Feuerwehren infrage stellen, sondern sie zeigen, dass es „besondere Lagen“ gibt, die spezielle Taktiken und vor allem spezialisierte Geräte benötigen, um deren Herr zu werden. Besondere Lagen operationalisieren Cimolino et al. hinsichtlich des schwierigen Zugangs zum Brandherd, der Brandbekämpfungsdauer im Verhältnis zur Brandgröße und der örtlich nicht begrenzten Wahrscheinlichkeit des Auftretens.

Verschiedene Brandbekämpfungsmethoden und –techniken stellen die Autoren mit ihren Vor- und Nachteilen vor. Dabei leiten sie schnell über zu spezialisierten, über den Alltag hinausgehende Methoden, und hier insbesondere dem COBRA-System, welches in Deutschland eher als Schneid- denn als Löschsystem angesehen wird, gleichzeitig ist aber diese Doppelfunktion für die Brandbekämpfung von enormem Vorteil.

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Florian bitte kommen

Montag, Juni 13th, 2016

Rezension von Demel/Strotts Sprechfunkerausbildung gemäß FwDV 2

Cover des Buchs SprechfunkerausbildungKater, Blitz, DMO, FuG – wer sich als ehrenamtliche Einsatzkraft fragt, was diese Worte und Abkürzungen bedeuten, sollte weiterlesen, denn früher oder später halten alle den Hörer in der Hand und müssen funken. Der BOS-Funk ist stark formalisiert und reglementiert, erhält mit dem eingeführten Digitalfunk eine – vom Verständnis her zunächst – komplexe Neuausrichtung, die dazu führt, dass sich auch altgediente Einsatzkräfte wieder mit dem Funken auseinandersetzen müssen. Das „Buch Sprechfunkerausbildung gemäß FwDV 2“ von Jan Tino Demel und Matthias Strott aus der Reihe Fachwissen Feuerwehr, will hier Einsteigern und langjährigen Praktikern Hilfestellung geben.

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… und plötzlich ist der Strom weg!

Mittwoch, November 27th, 2013

Bemerkungen über Marc Elsbergs Thriller Blackout

Marc Elsbergs Katastrophen-Thriller Blackout – Morgen ist es zu spät erschien zu einem Augenblick, der uns unbedarften, sich in Sicherheit wiegenden Bürgern, die Augen für die Realität öffnete: Gezielte Hackerangriffe auf Industrieanlagen und staatliche Serverinfrastrukturen, die Stuxnet-Affäre und schließlich die Ereignisse rund um das japanische Kernkraftwerk Fukushima. Elsberg nahm die Folgen dieser Vorkommnisse in seinem Buch teilweise vorweg, obwohl er selbst, wie er im Nachwort schreibt, damals nicht an deren Eintrittswahrscheinlichkeit glaubte.

blackout

Die Abhängigkeit unserer Zivilisation vom Strom ist nicht zu leugnen, unabhängig davon, ob von Privathaushalten oder Dienstleistungs- und Industrieunternehmen die Rede ist. Ohne Strom keine warme Mahlzeit, ohne Strom keine Lebensmittelproduktion. Ohne Strom keine funktionierende Toilettenspülung, ohne Strom keine ausreichende Kühlung in Kernkraftwerken. Eben diese Abhängigkeit macht Elsberg zum Thema seines Buchs. “Strom ist wie Blut im menschlichen Körper - beide müssen fließen, sonst bricht das jeweilige System zusammen”, legt der Autor einem seiner Protagonisten in den Mund.

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Was ist wirklich und was unwirklich?

Freitag, März 23rd, 2012

Eine Rezension zu Herbert W. Frankes
„Flucht zum Mars“

Während meiner Recherchen für meine eigene Kurzgeschichte, bin ich auf das Buch „Flucht zum Mars“ von Herbert W. Franke aufmerksam geworden. Der Autor insgesamt aber auch das Buch im Speziellen fand breite Rezeption, aus der ich auf die Relevanz des Buches selbst schloss.

Flucht zum Mars spielt im 23. Jahrhundert und erzählt die Geschichte einer achtköpfigen Gruppe, die sich als Teilnehmer eines Erlebnisspiels auf dem Mars wähnen, bei dem es um das Auffinden eines Schatzes geht. Die Aufgabe der Gruppe ist es diesen Schatz, bestehend aus den Insignien der letzten chinesischen Kaiserdynastie, zu bergen und zur Erde zu bringen. Der Schatz befindet sich in einer Festung, welche die Chinesen während des Ost-Westlichen Krieges als Refugium und Waffenlager errichteten. Die Gruppe nimmt den Trip zunächst auf die leichte Schulter, da man annimmt, sich in einer Simulation zu befinden. Im Laufe der Reise entpuppt sich die vermeintliche Virtualität als knallharte Realität, nachdem es zu Unfällen kommt und die Kontaktversuche mit der Erde fehlschlagen. Kurz vor dem Ziel, der Festung, legt eine Minenexplosion das 200 Jahre alte (!) Marsraumschiff lahm. Die Acht müssen sich nun zu Fuß durchschlagen. Allerdings entführen Androiden sechs Teammitglieder. Alf, der eigentliche Hauptprotagonist des Buches, und Sylvie gelingt es in die Festung einzudringen und einige ihrer Kameraden zu befreien.

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Rezension “Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz”

Donnerstag, November 3rd, 2011

Eigenverantwortung ist durch nichts zu ersetzen

(sc). Es kommt selten vor, dass das Vorwort eines Buches den wesentlichen Inhalt bzw. dessen Intention so komprimiert, pointiert und ermahnend wiedergibt, wie dies Lars Lorenzen im Roten Heft Nr. 95 „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ darlegt.

Lorenzen formuliert die Intention seiner Schrift mit folgender These: „Neben einer Sicherheitstruppstrategie ist es zumindest ebenso wichtig, die Sinne aller Einsatzkräfte für eine erfolgreiche Unfallprävention im Atemschutzeinsatz zu schärfen.“ Anders formuliert, heißt dies, dass auch die beste Sicherheitstrupptaktik nicht die Grundlagen des Atemschutzeinsatzes ersetzt.

Diese Grundlagen, oder das Grundlagenwissen, bilden im Prinzip das Thema Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz. Denn nur das Beherrschen derselben vermeidet oder unterbricht eine Fehlerkette.

Lorenzen kategorisiert die Unfallfaktoren in fünf Aspekte – der sechste ist die Fehlerkette selbst. In seinen Ausführungen nimmt der Faktor „Mensch“ den größten Teil ein. Insbesondere verweist er immer wieder auf die in der Feuerwehrdienstvorschrift (FwDV) 7 formulierten Einsatzgrundsätze, die, trotz aller Kritik an der FwDV 7, deutlich zur Risikominimierung, und damit Unfallverhütung beitragen. Die weiteren Unfallfaktoren, Technik, Mission, Management und äußere Einflüsse legt er jeweils in eigenen Kapitel dar.

Doch auch wenn die menschlichen Fehlerquellen überwiegen – wie Lorenzen unter Rückgriff auf die Fehlerforschung in der Luftfahrt zeigt – gibt es eine ganze Menge, sich wiederholende technische Fehlerfaktoren, wie z.B. die falsche Fortbewegungsmethode, die Thematik Schutzkleidung oder die falsche Verlastung von Atemschutzgeräten. Dennoch – und dies betont Lorenzen mehrfach unter Verweis auf die FwDV 7 – Atemschutzgeräteträger handeln grundsätzlich eigenverantwortlich.

Andere Aspekte, wie der Einsatz selbst („Mission“) oder äußere Einflüsse, lassen sich zwar nicht kontrollieren, jedoch unter Zuhilfenahme, z.B. der Gefahrenmatrix, im Risiko minimieren.

Fehler der Führung – Lorenzen umschreibt dies mit dem Wort Management, um alle Führungs- und Verwaltungsebenen zu erfassen – lässt der Autor nicht unerwähnt, denn auch diese Entscheidungen sind Teil einer Fehlerkette und wirken auf die Unfallverhütung zurück.

Als Teil des Managments lässt sich indes auch die Atemschutzüberwachung (ASÜ) begreifen, auf die der Autor jedoch in einem eigenen Kapitel eingeht. Wohl deshalb, weil die ASÜ noch immer eine Stiefmutterdasein fristet. Lorenzen stellt nicht nur die Aufgaben der ASÜ dar, sondern – und das ist zentral – er zeigt die Irrelevanz einer rein zeitbasierten Überwachung. In dem Kontext mahnt er dann die obligatorische Festlegung des Rückzugdruckes an.

Das Thema Handhabung von Atemschutzgeräten greift Lorenzen explizit in einem eigenen Kapitel auf – auch hier betont Lorenzen die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Atemschutzgeräteträger.

Abschließend fordert Lorenzen indirekt eine zentrale Meldestelle für Atemschutzunfälle, er gibt aber auch Vorschläge, die zu einer Verbesserung der Qualität führen können. Hier nennt er erneut den Bereich Luftfahrt als Vorbild.

Mit dem Buch „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ stellt Lorenzen in kompakter und übersichtlicher Weise die wichtigsten Aspekte bzw. häufigsten Fehler aus dem Bereich der Unfallverhütung im Bereich Atemschutz dar. Er bedient sich dazu zahlreichen Beispielen, Grafiken, Bilderserien, teilweise humoristisch formuliert. Deutlich sichtbar ist auch die in dem Buch verarbeitete Ausbildungs- und Einsatzerfahrung des Hamburger Brandamtmannes.

Der Wert des Buches liegt weniger in der Darlegung innovativer Konzepte, sondern in der kurzen lockeren und kompakten Darstellung von Themen, die aus der Atemschutzausbildung bekannt sein sollten. Dieser Darstellungsstil erleichtert die Rezeption außerordentlich, und macht das Buch für die Atemschutzgeräteträgerausbildung und -fortbildung nützlich.

Lorenzens Buch ist damit eine Pflichtlektüre für alle Atemschutzgeräteträger und Atemschutzausbilder sowie alle anderen mit dem Aspekt Atemschutz befassten Aufgabenbereiche, die eine Wiederauffrischung ihres Wissens und besonders eine Erinnerung an das Thema Eigenverantwortung benötigen. (Autor: Stefan Cimander)

Lars Lorenzen: Die roten Hefte Nr. 95: Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz, 1. Aufl., Stuttgart 2011: Kohlhammer Verlag. 102 S.: Ill., graph. Darst.

Diese Rezension erschien auch auf dem Internetportal www.innenangriff.com.