Posts Tagged ‘Mars’

“Ich bin so was von im Arsch”

Mittwoch, November 19th, 2014

Rezension von Andy Weirs Der Marsianer

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„Ich bin so was von im Arsch“ ist einer der anschaulichsten, aber auch einprägsamsten Einleitungssätze, vergleichbar mit Stephen Kings „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm“, aus dem ersten Band des „Dunkle Turm“-Zyklus. Nun lassen sich Weir und King inhaltlich und genretypisch schlecht vergleichen, denn Weir vermischt Near Future Science-Fiction – wobei man das Fiction ruhig sehr klein schreiben, oder gleich ganz weg lassen darf – mit den Elementen der Robinsonade.

Marsmission Nr. 3

„Ich bin so was von im Arsch“, sagt der Marsastronaut Mark Watney, als er realisiert, dass ihn seine fünf NASA-Kameraden der Mission Ares 3 auf dem Roten Planeten zurückgelassen haben, als diese vor einem Sturm flohen und Watney für tot hielten. Der Marsmensch Watney steht nun vor dem Problem, wie er überleben soll. Die Ressourcen sind sehr beschränkt, egal ob Lebensmittel, Wasser oder technisches Equipment. Immerhin, Watney kennt den Landeplatz der nächsten Marsmission, die in zwei Marsjahren landen soll. Statt in Panik zu verfallen und sich dem Schicksal zu ergeben, analysiert Watney die Situation und berechnet – im wahrsten Sinne des Wortes – was er zum Leben benötigt und wie er es herstellen kann. Wasser stellt er unter Bedingungen her, die jedem Brandschutzexperten der Nase die Nackenhaare aufstellen lassen würde, aber auch Kartoffeln baut der überlebenswillige Marsbewohner und Botaniker an.

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Faszination Mars: Der rote Planet in der SF-Literatur

Montag, November 10th, 2014

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„Bis zum Jahr 2020 könnten wir auf dem Mars landen“, sagte Apollo-Astronaut Buzz Aldrin einst, auch wenn halbwegs realistische Planungen eher von den 2030er Jahren sprechen. Der Rote Planet, nach dem römischen Kriegsgott benannt, beflügelte sei jeher die Fantasie oder Ängste der Menschen, beginnend mit den beobachteten „Vegetationszonen“ im 18. Jahrhundert bis hin zu Giovanni Schiaparellis „Canali“ die ihn auf intelligentes Leben schließen ließen. Immerhin hielten selbst Wissenschaftler bis in 1960er Jahre hinein zumindest niedriges Leben für denkbar. Diese Gedankenwelt prägte die Science-Fiction-Literatur.

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“Die Geister, die ich rief”

Donnerstag, Februar 20th, 2014

Rezension von Greg Bears Heimat Mars

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Greg Bear, einer der gegenwärtig bedeutendsten amerikanischen Science-Fiction-Autoren, nahm sich 1993 dem Mars an. Bear verbindet in „Heimat Mars“ (Originaltitel „Moving Mars“) die Geschichte der marsianischen Gesellschaft und ihrer Struktur mit harter Science-Fiction, genauer der praktischen Anwendung quantenphysikalischer Entdeckungen und deren politischer Konsequenzen. Dafür gewann „Heimat Mars“ 1994 den Nebula Award für den besten Roman. Nominiert war das Buch ferner für den Locus Award und den John W. Campbell Memorial Award.

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Mars, Melancholie und Mystik

Donnerstag, Oktober 17th, 2013

Buchbesprechung von Frank W. Haubolds Die Schatten des Mars

Als „melancholische Dystopie“, beeinflusst von Ray Bradburys „Die Mars-Chroniken“, beschreibt Frank W. Haubold seinen Episodenroman „Die Schatten des Mars“, mit dem er 2008 den Deutschen Science Fiction Preis als besten Roman gewonnen hat. Treffender wäre wohl die Charakterisierung als „dystopische Melancholie“, denn obwohl sich dystopische Elemente durch das Buch ziehen, stets präsent sind, stehen diese nicht im Mittelpunkt, sie bilden eher den Ausgangspunkt oder den Hintergrund für die Erzählung der Biografien der Protagonisten, die gesteuert von einer seltsamen, mystisch-transzendenten Macht, von der Erde fliehen und auf dem roten Planeten ihr Heil suchen und finden.

Haubold erzählt in flüssiger, traurig-melancholischer Stimmung die Lebensgeschichten verschiedener, von der Realität gezeichneter Menschen, die ihr Leben lang von der Vision der mystischen gläsernen Stadt begleitet wurden, deren Ursprung der Mars ist. Die Lebenswege der Auserwählten kreuzen sich dort. Mit jedem neu erzählten Schicksal schreitet auf einer anderen Erzählebene die mit Hoffnungen verbundene Besiedelung des Mars und dessen Terraforming voran, zeigt zugleich jedoch eine ebenso kaputte Erde – in gesellschaftlicher, politischer wie klimatischer Perspektive. Die Einzelschicksale stehen sinnbildlich für den Untergang der Herrschaft der Menschen über die Erde: Krieg, Terrorismus, Leid gibt es zuhauf. Der Mars bildet das Sinnbild eines Neuanfangs im Frieden, obgleich die Marskolonisation ebenso katastrophal endet, wie das durch einen globalen Krieg ausgelöschte Leben auf der Erde.

So ausgestorben, wie sich der Mars den Menschen zeigt, scheint er in Wirklichkeit nicht, wie die von den Visionen auf den Mars gebrachten Kolonisten erkennen müssen. Eine uralte Macht, die sich spirituell-transzendent erhalten hat, gibt den Kolonisten Hoffnung und am Ende treten sie das Erbe der Marsianer an.

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Fixpunkt aller Weltraumvisionen

Donnerstag, Juli 4th, 2013

Bemerkungen über Arthur C. Clarkes Projekt Morgenröte

Gibson, erfolgreicher Science-Fiction Autor, fliegt in den 1990er Jahren auf Einladung zum Planeten Mars. Als erster Marstourist obliegt es ihm, durch seine Popularität und sein journalistisches Wirken die Werbetrommel zu rühren. Das Kreuzfahrtraumschiff Ares bringt ihn auf dessen Jungfernfahrt in einer mehrwöchigen Reise auf den Roten Planeten. Höhepunkt des Fluges ist das Einfangen einer Frachtrakete, die einen Impfstoff für das Marsfieber transportiert. Bereits während des Fluges muss Gibson den Unterschied zwischen seinen Science-Fiction-Geschichten und der Realität erkennen. Angekommen am Mars, erleben Gibson und die Besatzung der Ares die erste Überraschung, denn statt, wie gewohnt, den gut ausgebauten Weltraumhafen auf dem Mond Phobos anzulaufen, soll die Ares auf dem Mond Deimos festmachen.

Auf der Spur des Rätsels

Des Rätsels um Phobos nicht genug entdeckt Gibson auf einer Erkundungstour auf dem Mars ein Laborgebäude, welches dort nicht vorhanden sein sollte. Der Gruppe um Gibson verwehren die dort arbeitenden Wissenschaftler den Zutritt. Gibson lässt dies aufhorchen und er beginnt Nachforschungen anzustellen, die ihn zu Gouverneur Warren Hadfield führen. Hadfield und Port Lowells Bürgermeister Whittaker sind sich bloß uneinig darüber, inwiefern sie Gibson ins Vertrauen ziehen können.

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Marsutopia – oder vom Sex bei verringerter Gravitation

Montag, Oktober 8th, 2012

“Weißer Mars” von Aldiss/Penrose – eine Rezension

Als am 6. August 2012 die Marssonde “Mars Science Laboratory” mit ihrem Rover “Curiosity” auf dem roten Nachbarplaneten der Erde landete, sprach die ganze Welt plötzlich erneut über ihn. Beseelt von der erfolgreichen Niederkunft Curiositys, durchbrachen Träume von einer bemannten Mission in den nächsten Jahrzehnten oder gar einer Kolonisierung bis hin zum Terraforming die Rationalität von Machbarkeit und Finanzierbarkeit.

In der Science Fiction spielt der Mars seit jeher eine bedeutende Rolle. Insbesondere die an Wasserkanäle erinnernden Strukturen auf der Oberfläche verleiteten zur Annahme von dort existierendem Leben.

Marsbesiedelung einmal anders

Dagegen beschreibt der Roman “Weißer Mars oder: Aufbruch zur Vernunft: Eine Utopie des 21. Jahrhunderts” von Brian Wilson Aldiss und Roger Penrose, anders als andere Marsgeschichten, nicht das Überleben und die dafür notwendige Technik, sondern die Suche nach einer neuen Gesellschaftsform, die das Überleben sichern soll. “Weißer Mars” ist ein leidenschaftliche Kapitalismuskritik und Plädoyer für die Gemeinschaft. Nicht nur der Titel, sondern auch die Inhalte erinnern dabei an die Morus’sche Insel Utopia.

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Klassiker der SF: Die Mars-Chroniken

Dienstag, Mai 15th, 2012

„Die Mars-Chroniken“ (im eng. Orig.: The Martian Chronicles) ist ein „Roman“ von Ray Bradbury aus dem Jahr 1950. Roman steht deshalb in Anführunsgzeichen, weil das Buch eine in Romanform gebrachte Zusammenstellung von Kurzgeschichten ist, die er zwischen 1946 und 1950 veröffentlichte.

„Die Mars-Chroniken“ ist streng genommen keine Science-Fiction, im klassischen Sinne, und fällt eher in das Genre Dystopie. Bradbury beschreibt die Kolonisierung des Mars analog zur Kolonisierung des Wilden Westens, wobei die indigene Bevölkerung des Mars, die Marsianer, für die amerikanischen Ureinwohner stehen. Zu Beginn wechselt die Erzählperspektive zwischen der der Marsianer und der Menschen.

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Was ist wirklich und was unwirklich?

Freitag, März 23rd, 2012

Eine Rezension zu Herbert W. Frankes
„Flucht zum Mars“

Während meiner Recherchen für meine eigene Kurzgeschichte, bin ich auf das Buch „Flucht zum Mars“ von Herbert W. Franke aufmerksam geworden. Der Autor insgesamt aber auch das Buch im Speziellen fand breite Rezeption, aus der ich auf die Relevanz des Buches selbst schloss.

Flucht zum Mars spielt im 23. Jahrhundert und erzählt die Geschichte einer achtköpfigen Gruppe, die sich als Teilnehmer eines Erlebnisspiels auf dem Mars wähnen, bei dem es um das Auffinden eines Schatzes geht. Die Aufgabe der Gruppe ist es diesen Schatz, bestehend aus den Insignien der letzten chinesischen Kaiserdynastie, zu bergen und zur Erde zu bringen. Der Schatz befindet sich in einer Festung, welche die Chinesen während des Ost-Westlichen Krieges als Refugium und Waffenlager errichteten. Die Gruppe nimmt den Trip zunächst auf die leichte Schulter, da man annimmt, sich in einer Simulation zu befinden. Im Laufe der Reise entpuppt sich die vermeintliche Virtualität als knallharte Realität, nachdem es zu Unfällen kommt und die Kontaktversuche mit der Erde fehlschlagen. Kurz vor dem Ziel, der Festung, legt eine Minenexplosion das 200 Jahre alte (!) Marsraumschiff lahm. Die Acht müssen sich nun zu Fuß durchschlagen. Allerdings entführen Androiden sechs Teammitglieder. Alf, der eigentliche Hauptprotagonist des Buches, und Sylvie gelingt es in die Festung einzudringen und einige ihrer Kameraden zu befreien.

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