Posts Tagged ‘Postapokalypse’

In dieser Welt gibt es keinen Platz mehr für die Menschen

Dienstag, April 12th, 2016

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Rezension von Sergej Moskwins In die Sonne

Ein Stromausfall legt die Nowosibirsker U-Bahnstation Roschtscha lahm und droht das Überleben der Stationsbewohner zu gefährden. Der für die Sicherheit verantwortliche Oberst Kassarin bricht mit einem Expeditionstrupp zur Nachbarstation Marschalskaja auf, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Sie stoßen dort auf einen übermächtigen Gegner und flüchten zurück. Sergei, Kassarins Sohn, verbleibt als Wache mit seinem Kumpel Dron an der Heimatstation. Was zunächst nach Routine aussieht, entwickelt sich zu einer Verbrecherjagd, denn den Stromausfall nutzend, schlägt die Diebin Polina zu. Sergei kann die junge Frau aufhalten und festnehmen, empfindet aber Gefühle für Polina und kann in letzter Sekunde ihre Hinrichtung verhindern, indem er vorschlägt, mit ihr das Stationsbuch der Marschalskaja zu holen, von dem sich Vater Kassarin Informationen über die dortigen Vorfälle erhofft. Den beiden Jugendlichen gelingt es in die Station vorzudringen, außer Knochen finden sie dort keinerlei Lebewesen mehr vor, und abgesehen von einer seltsamen Zeichnung auch kein Stationsbuch. Auf dem Rückweg werden die beiden Zeuge eines Angriffs auf die Roschtscha durch ein seltsames, schwarzes Wesen mit Fangarmen, dem Patronen nichts anhaben können. Polina und Sergei fliehen, während die schwarze Wolke alles Leben an der Station verschlingt. Sergei will die anderen Stationen der Allianz warnen.

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Im Rausch der Selbstzerstörung

Montag, Februar 29th, 2016

Rezension von Suren Zormudjans Das Erbe der Ahnen

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In Kaliningrad haben sich die Überlebenden des apokalyptisch-nuklearen Schlagabtauschs in die seit Jahrhunderten bestehenden und von den Nationalsozialisten wie der Sowjetunion erweiterten Bunkerwelten geflüchtet und sich unter der Erde mit ihrer neuen Lebenssituation arrangiert. Wobei das relativ ist: Die Bewohner des Gefechtsstands Block-6 nahe Krasnotorowka führen kein unbeschwertes Leben, es gibt zu essen, politisch sind sie zufrieden, aber in dem alten Bunker herrscht drangvolle Enge und die Bedingungen verschlechtern sich zusehends. Am liebsten würde sich die von dem Marineinfanteristen Major Pawel Wassiljewitsch Stetschkin geführte Siedlung der Gruppe in der von den Deutschen erbauten Festungsanlage Fort 5 in Kaliningrad anschließen, die wiederum den (Wieder-)Vereinigungsbemühungen ablehnend gegenübersteht. Der autoritäre Führer in Fort 5, Major Samochin, fürchtet um seine Macht, wenn der beliebte und geachtete Stetschkin in seinen Bunker einzieht. In dieser angespannten Situation entdecken die Marineinfanteristen am nahen Strand Fußspuren, die sie keiner der bekannten Siedlungen in der Umgebung zuordnen können. Dabei erschießt der Erkundungstrupp einen der Unbekannten, dass, überraschend für die Siedler, einen handstreichartigen Angriff der Neuankömmlinge nach sich zieht, wobei, gänzlich unbekannt sind die Angreifer nicht, hatten diese doch zuvor eine Hakenkreuzflagge gehisst. Die Marineinfanteristen vom Block-6 stehen im Krieg. Erst nach und nach erfahren die Kämpfer aus Block-6, dass sich eine Gruppe Nazis-Nachfahren aus Chile mit dem Schiff auf den Weg in die Ostsee gemacht hat, um „Das Erbe der Ahnen“ zu suchen und an sich zu nehmen. Um was es sich handelt, bleibt den russischen Soldaten verborgen. Es gelingt, einen fragilen und von beiden Seiten mit Hintergedanken geschlossenen Waffenstillstand zu schließen.

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Die Welt die er kannte, gibt es nicht mehr

Montag, Januar 25th, 2016

Rezension von Vitali Sertakovs Cryonic

Der Wissenschaftler Arthur Kowal ließ sich einst im Rahmen eines Experimentes für zwanzig Jahre in eine Art Kälteschlaf versetzen, als er aufwacht, existiert die Welt, wie er sie kannte nicht mehr. Das Institutsgebäude ist verlassen, die Einrichtungsgegenstände verrottet und mumifizierte menschliche Überreste begleiten ihn auf dem Weg nach draußen. Doch auch St. Petersburg hat sich verändert. Wo einst menschliches Leben blühte, hat sich die Natur ihren Teil der Welt zurückgeholt, die Gebäude sind zerfallen und die Straßen säumen Barrikaden. Erst nachdem er auf Einwohner getroffen ist und zu einer schwer bewachten Kommune Zutritt erhält, muss Arthur erkennen, dass er statt zwanzig hundertzwanzig Jahre kryonisiert war, und die Menschheit in der Zwischenzeit von einer mutierten und hochinfektiösen Form des HI-Virus dahingerafft wurde. Die Überlebenden haben sich neu organisiert, in einer Mischung aus dem überwunden geglaubten Feudalismus, Sklaverei und Pseudodemokratie.

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„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler“

Donnerstag, August 27th, 2015

Rezension von Walter M. Miller jr. Lobgesang auf Leibowitz

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Miller schrieb mit dem postapokalyptischen Science-Fiction-Roman „Lobgesang auf Leibowitz“ eine pessimistische Geschichte von Fortschritt und Rückschritt und das sogar im doppelten Sinne: technologisch-anthropologisch und chronologisch. Chronologisch, weil Millers Buch die zyklische Geschichte als Thema hat. Für ihn wiederholt sich die Geschichte immer wieder, wie in einem Kreislauf, der sich als nicht durchbrechbar erweist. Dieser chronologische Zyklus ist eng verwoben mit der Anthropologie und den technischen Errungenschaften der Menschheit, die, einem unausgesprochenen Code folgend, fortwährend zum Nachteil des menschlichen Daseins bis hin zur Apokalypse reicht. Wenn der Fortschritt einen bestimmten Punkt erreicht hat, beginnt, einem Pendel gleich, automatisch der Rückschritt.

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Vampire und Dystopie

Donnerstag, März 5th, 2015

Justin Cronin: Die Zwölf

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Auch den zweiten Teil der „Passage“-Trilogie konnte ich nicht aus den Fingern legen und hatte das 820 Seiten fassende „Taschenbuch“ binnen sieben Tagen fertig gelesen. Auch wenn „Die Zwölf“ bei Weitem nicht so fesselnd wie „Der Übergang“ war, ein Schicksal, das wohl für viele Mittelteile von Trilogien gilt, bietet Cronin auch hier gute und spannende Unterhaltung.

Zwar kommen die Protagonisten aus dem ersten Teil vor, und spielen für den Fortgang der Handlung eine wesentliche Rolle, Cronin erzählt aber eigentlich eine andere Geschichte. Die Handlung spielt wieder in zwei Zeitabschnitten. Zunächst erzählt Cronin die Erlebnisse verschiedener Personen zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Seuche, dann setzt er die Geschichte im Jahr 78 und Jahr 97 n.V. fort. Damit schließt sich die Handlung dem Ende von „Der Übergang“ an.

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Der Mythos um Gaia

Mittwoch, Januar 28th, 2015

Stephen Baxter: Die letzte Flut

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Das Wasser steigt und steigt. Statt der prognostizierten fünf Meter zum Ende des Jahrhunderts, überschreitet das Meer weltweit schon um 2016 die Deiche und Schutzanlagen. Und es steigt weiter. Die Wissenschaft steht vor einem Rätsel, während sich die Menschheit auf der Flucht von den Küsten in höher gelegene Gegenden befindet. Am Ende ist die gesamte Landmasse der Erde unter Wasser. Erzählt wird die Flucht vor der Flut hauptsächlich aus der Perspektive der ehemaligen USAF-Pilotin Lilly Brooke und ihrer Mitgefangenen, die den Beginn der dramatischen Flutereignisse nicht mitbekamen, weil sie sich in Geiselhaft befanden. Lilly arbeitet fortan für Ihren „Befreier“, den exzentrischen Milliardär Nathan Lamockson, der einerseits mit der steigenden Flut Gewinne einstreicht, der andererseits aber auch in Projekte involviert ist, die das Überleben der Menschheit sichern sollen.

Die Handlung spielt über einen Zeitraum von 30 Jahren und begleitet die ehemaligen Geiseln durch ihr Leben in einer sich dramatisch verändernden Welt. Baxter beschreibt deutlich, welche Konsequenzen der Menschheit blühen, wenn der Meeresspiegel so dramatisch steigt, wie er es in seinem Gedankenspiel darstellt. Baxter zeiht neuere geologische Erkenntnisse heran, gemäß denen sich im Tiefengestein der Erde große Wasserkavernen befinden. Dabei bleibt er auf dem Boden der wissenschaftlichen Tatsachen sieht man von der eher fantastischen Ursache ab, die er am Rande als Erklärung für den steigenden Meeresspiegel heranzieht. Diese Wissenschaftlichkeit, verwoben mit den Einzelschicksalen macht das Gelesene gut begreifbar.

Anfang und Schluss sind mitreißend geschrieben, nur in der Mitte kommt es zu leichten Schwächen. Schade ist auch, dass er viele Aspekte nur kurz erwähnt oder in die Handlung einfließen lässt. Der eine oder andere Exkurs, wie bei Eschbachs „Ausgebrannt“ oder Schätzings „Schwarm“ wäre sicherlich angebracht gewesen.

Stephen Baxter: Die letzte Flut. Originaltitel Flood. Aus dem Englischen von Peter Robert. 2. Auflage, München: Heyne 2009, 751 S.; Hardcover; ISBN 978-3-453-26630-8.

Bato-ontschiki - Auferstanden von den Toten

Donnerstag, Dezember 11th, 2014

Rezension von Schimun Wrotscheks Piter

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Mit Piter begründete Schimun Wrotschek 2010 das Petersburger Franchise des von Dmitry Glukhovsky begründeten postapokalyptischen Metro-Universums. Ähnlich wie in der Moskauer-Metro, haben sich auch in der Petersburger Metro an den verschiedenen Stationen „politische“ (Überlebens-) Gemeinschaften gebildet, allerdings ist die ideologische Vielfalt weniger stark ausgeprägt. Statt besonders große und bunte Reichhaltigkeit verschiedener Subkulturen zu zeigen, erwartet den Leser in St. Petersburg eine überschaubare, teilweise voneinander abhängige Metrostationen-Zivilisation, die im Spannungsfeld von zwei Antipoden steht.

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Nichts haben wir besser gelernt, als Waffen zu bauen

Samstag, September 13th, 2014

Rezension von Andrej Djakows Hinter dem Horizont

Gerade noch rechtzeitig gelingt es dem Stalker Taran, seinem Stiefsohn Gleb, dem Mädchen Aurora, dem Stummel Sitting Bull, dem greisen Mechaniker Migalytsch, dem Chirurgen Natanowitsch (der Heide) und dem Mutanten Grennadi einem Killerkommando der Veganer zu entkommen und sich in den Raketentruck der Babylonier1 zu retten. Der handstreichartige Vormarsch des Imperiums der Veganer durch die Petersburger Metro gibt der Gruppe den Anstoß die Reise ins 10.000 Kilometer entfernte Wladiwostok anzutreten und den Gerüchten, um die sagenumwobene Siedlung Alpheios nachzugehen, deren Bewohnern es gelungen sein soll, die Radioaktivität zu neutralisieren.

Eine Reise mit ungeahnten Gefahren

Spoiler ahead! Während der langen Reise übersteht die Expedition unterschiedlichste Bedrohungen (Ölsucher, Pilzsporen, Doppelgänger), doch die größte Herausforderung entsteht als zwischenmenschlicher Konflikt zwischen Taran und Gleb.

An Fahrt gewinnt die Story in der Nähe des Jamantau-Komplexes2 im Ural, dort geraten Sitting Bull und Aurora in die Hände der Steppenhunde, einer archaischen Räuberbande, die die lokale Bevölkerung brutal unterdrückt und ausbeutet. Die Steppenhunde ermorden Sitting Bull, Aurora wird gerettet. Während der Befreiungsaktion treten plötzlich Soldaten auf, die vorgeben die Steppenhunde zu bekämpfen und die in Jamantau ihren Stützpunkt haben. Die Gruppe folgt den Soldaten in den Bunker, in dem sich eine Zweiklassengesellschaft etabliert hat: Oben die Soldaten, unten die Zivilisten.

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Wir irren umher wie ruhelose Geister

Dienstag, Oktober 8th, 2013

Rezension von Andrej Djakows Die Reise ins Licht

Als literarischen Franchise lässt sich METRO 2033 auf beliebig unzählige Städte und Länder übertragen, das macht einen gewissen Reiz aus, kommt auf diese Weise im Plot ein wenig Lokalkolorit zum Tragen und der Fantasie, wie eine postnukleare Welt aussehen könnte, sind keine Grenzen gesetzt. Andrej Djakow verlegt den Schauplatz seiner Geschichte nach St. Petersburg, indes spielt die Metro der russischen Metropole bloß eine nachrangige Rolle in der Handlung. Analog zu Avoledos „Die Wurzeln des Himmels“ ereignen sich die Erlebnisse auf den Straßen, Tunnel und Kellern der einstigen Zarenstadt selbst.

Das Licht der Erlösung

Der Stalker Taran springt den Bewohnern der Station Moskowskaja bei der Abwehr eines Pterodon bei. Kaum hat er das vollstreckt, bitten ihn die Bewohner an einer weiteren Mission teilzuhaben. Von der Insel Kotlin, auf welcher der St. Petersburger Stadtteil Kronstadt liegt, gehen mysteriöse Lichtsignale in Richtung Festland aus. Die Propheten des Exodus, einer religiösen Sekte, die den Bewohnern der Metro Seelenheil versprechen, sehen in dem Lichtsignal ein Zeichen für die nahende Rettung. Als Lohn für die Teilnahme an der Operation fordert Taran den 12-jährigen Waisen Glen, den die Stationsansässigen, trotz anfänglich gespielten Widerstandes, am Ende wie Vieh verschachern.

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Eine Welt, in der das Monströse Norm ist

Donnerstag, August 8th, 2013

Rezension von Tullio Avoledos Die Wurzeln des Himmels

Sechs Jahre sind vergangen, seit Dmitri Glukhovski 2007 mit Metro 2033 seine Vision einer postapokalyptischen Welt erschaffen und, analog zum Open Source-Gedanken, andere Schriftsteller zur Gestaltung dieses Universums eingeladen hat. Mit Tullio Avoledos Die Wurzeln des Himmels liegt nun der erste, außerhalb Russlands spielende Roman vor.

Die Reise nach Venedig

Avoledos eröffnet seine Erzählung in den Calixtus-Katakomben, der ersten christlichen Gemeindekatakombe in der Ewigen Stadt, die nun, weil tiefer als die römische Metro gelegen, einem Teil der Überlebenden Roms Unterschlupf gewährt. Pater John Daniels, letztes Mitglied der Heiligen römischen Inquisition (eigentlich Glaubenskongregation) soll im Auftrag Kardinal Albanis, Camerlengo und letzter hoher Repräsentanten der Kirche, zusammen mit einem Trupp Schweizergardisten nach Venedig expedieren, damit die Sedisvakanz durch Verbringen des ominösen Patriarchen von Venedig beendet werden kann.

Der siebenköpfige Trupp bewegt sich nachts und kommt infolge automobiler Hilfsmittel zügig voran. Die Expedition ist reich an Gefahren, verlangt von Daniels den Umgang mit Waffen, Waffen, die er nur von der PlayStation kannte, und konfrontiert ihn darüber hinaus mit moralischen Fragestellungen, die an den Grundfesten seines Glaubens rütteln, die ihn danach fragen lässt, was gut und was böse ist.

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