Posts Tagged ‘Raumfahrt’

Fire in the Soyuz!

Montag, Juli 25th, 2016

Simulation eines Brandes an Bord einer Soyuz-Kapsel

Zwar schon ein paar Tage alt, aber ein durchaus interessantes Video der ESA zeigt das Astronautentraining in einem Soyuz Simulator in Star City (Yuri Gagarin Cosmonaut Training Center Russland), das den Astronauten Andreas Mogensen und den Kosmonauten Sergei Volkov mit nicht alltäglichen Notfallsituationen konfrontiert, die während eines Raumfluges auftreten können. Der Soyuz-Ausbilder entschied sich nämlich dafür, die beiden mit Feuer und dem Druckablassen zu konfrontieren. Die betagte Soyuz-Kapsel ist derzeit das einzig verfügbare Raumfahrzeug zum Transport von Menschen zur ISS – angesichts diverser Rückschläge in der Raumfahrt (auch bei Roscosmos) eine nicht abwegige Trainingsmaßnahme.

(weiterlesen…)

“Ich bin so was von im Arsch”

Mittwoch, November 19th, 2014

Rezension von Andy Weirs Der Marsianer

dermarsianer

„Ich bin so was von im Arsch“ ist einer der anschaulichsten, aber auch einprägsamsten Einleitungssätze, vergleichbar mit Stephen Kings „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm“, aus dem ersten Band des „Dunkle Turm“-Zyklus. Nun lassen sich Weir und King inhaltlich und genretypisch schlecht vergleichen, denn Weir vermischt Near Future Science-Fiction – wobei man das Fiction ruhig sehr klein schreiben, oder gleich ganz weg lassen darf – mit den Elementen der Robinsonade.

Marsmission Nr. 3

„Ich bin so was von im Arsch“, sagt der Marsastronaut Mark Watney, als er realisiert, dass ihn seine fünf NASA-Kameraden der Mission Ares 3 auf dem Roten Planeten zurückgelassen haben, als diese vor einem Sturm flohen und Watney für tot hielten. Der Marsmensch Watney steht nun vor dem Problem, wie er überleben soll. Die Ressourcen sind sehr beschränkt, egal ob Lebensmittel, Wasser oder technisches Equipment. Immerhin, Watney kennt den Landeplatz der nächsten Marsmission, die in zwei Marsjahren landen soll. Statt in Panik zu verfallen und sich dem Schicksal zu ergeben, analysiert Watney die Situation und berechnet – im wahrsten Sinne des Wortes – was er zum Leben benötigt und wie er es herstellen kann. Wasser stellt er unter Bedingungen her, die jedem Brandschutzexperten der Nase die Nackenhaare aufstellen lassen würde, aber auch Kartoffeln baut der überlebenswillige Marsbewohner und Botaniker an.

(weiterlesen…)

Es ist das Individuum, Dummkopf

Freitag, April 26th, 2013

Rezension von Robert A. Heinleins Starship Troopers

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“, sagte John F. Kennedy, 35. Präsident der Vereinigten Staaten, 1961 in seiner inaugural speech. Als zentrale Motivation flecht sich Kennedys Äußerung in das drei Jahre zuvor publizierte, novellenartige Sternenkrieger (Starship Troopers) von Robert A. Heinlein ein. Denn in dem schon zeitgenössisch kontrovers rezipierten Traktat verteidigt Heinlein den amerikanischen Pioniergeist vor dem Hintergrund der Bedrohung durch den Kommunismus und dem schleichenden Niedergang der Gesellschaft.

Kontroverse als Konstante

Während 1997 Paul Verhoevens Heinlein-Verfilmung Starship Troopers in den Kinosälen flimmerte, geisterte das Damoklesschwert der Faschismus- und Gewaltverherrlichung durch die Feuilletons der Republik. Obwohl Verhoevens Interpretation stark von der literarischen Vorlage abweicht, wurde auch Heinlein zeitlebens für seine 1958 erstmalig als Starship Soldiers fortlaufend publizierte Serie gescholten. Bis heute sorgt das Büchlein für hitzige Kontroversen ob der Kund gegebenen Thesen. Das mag auch daran liegen, unter welchem Blickwinkel der Leser Starship Troopers betrachtet: klassische Science-Fiction der Golden Age, politischer Kommentar oder Abenteuergeschichte.

(weiterlesen…)

Marsutopia – oder vom Sex bei verringerter Gravitation

Montag, Oktober 8th, 2012

“Weißer Mars” von Aldiss/Penrose – eine Rezension

Als am 6. August 2012 die Marssonde “Mars Science Laboratory” mit ihrem Rover “Curiosity” auf dem roten Nachbarplaneten der Erde landete, sprach die ganze Welt plötzlich erneut über ihn. Beseelt von der erfolgreichen Niederkunft Curiositys, durchbrachen Träume von einer bemannten Mission in den nächsten Jahrzehnten oder gar einer Kolonisierung bis hin zum Terraforming die Rationalität von Machbarkeit und Finanzierbarkeit.

In der Science Fiction spielt der Mars seit jeher eine bedeutende Rolle. Insbesondere die an Wasserkanäle erinnernden Strukturen auf der Oberfläche verleiteten zur Annahme von dort existierendem Leben.

Marsbesiedelung einmal anders

Dagegen beschreibt der Roman “Weißer Mars oder: Aufbruch zur Vernunft: Eine Utopie des 21. Jahrhunderts” von Brian Wilson Aldiss und Roger Penrose, anders als andere Marsgeschichten, nicht das Überleben und die dafür notwendige Technik, sondern die Suche nach einer neuen Gesellschaftsform, die das Überleben sichern soll. “Weißer Mars” ist ein leidenschaftliche Kapitalismuskritik und Plädoyer für die Gemeinschaft. Nicht nur der Titel, sondern auch die Inhalte erinnern dabei an die Morus’sche Insel Utopia.

(weiterlesen…)